»Begleite mich zu den Eltern – ich war noch nicht dort und fürchte den ersten Schritt in meines Vaters Haus.«

»Armer Bruno,« sagte Fritz mit tiefem Gefühl – »so komm; wir wollen gehen, und unterwegs erzählst Du mir Deine Pläne für Dein künftiges Leben – ich Dir die meinigen.«

Die Straße hinab gingen die beiden jungen Leute Arm in Arm, und wer ihnen unterwegs begegnete und sie erkannte, blieb stehen und sah ihnen nach; und Bruno erzählte dem neu gewonnenen Freund, daß er beabsichtige, morgen nach Hamburg und von da nach Amerika zu gehen, um dort ein neues Leben zu beginnen, und Fritz dagegen sagte ihm von der Veränderung auf Schloß Wendelsheim, dem trostlosen Zustand des Vaters, der Bestrafung der Tante und seiner glücklichen Liebe, bis sie die alte Werkstätte Baumann's erreichten und unwillkürlich an der Schwelle stehen blieben.

»Wie manche glückliche Stunde habe ich hier verlebt,« sagte Fritz weich, »und darin, Bruno, bist Du weit glücklicher als ich, denn Du findest brave, wackere Eltern, deren Liebe ich Dir die langen Jahre gestohlen – o wenn Du mir nur verstatten wolltest, das im kleinsten Theile wieder gut zu machen!«

»Laß es sein, Fritz,« sagte Bruno trübe; »es war uns Beiden nicht verstattet, am Herzen der eigenen Mutter zu ruhen – aber es ist vorbei. Dir war es zum Heil – mir, dem es zum Glücke gereichen sollte, wurde es zum Verderben. Also vorwärts – es hilft nichts mehr, zurückzuschauen.«

In der Schlosserwerkstatt gingen die Hämmer fleißig, wie in alter Zeit; aber es wurde nicht dabei gepfiffen und gesungen wie in alter Zeit. Ein trüber Geist lag auf dem alten Hause. Nicht das Unglück – das würde diese Herzen einander nicht entfremdet haben –, nein, die Sünde war hindurch geschritten und hatte ihre dunkeln Spuren hinterlassen. Ein böser Geist war eingezogen – das Mißtrauen, und das Unglück hatte sich in einer Stätte unter Thränen und Seufzern behaglich eingerichtet, wo sonst nur das Glück, wenn auch mit harter Arbeit, seinen Wohnsitz aufgeschlagen.

Der alte Baumann stand am Amboß wie gewöhnlich und formte mit kundiger und geschickter Hand seine Arbeit; neben ihm arbeitete Karl mit den Lehrlingen, und als Fritz zuerst in der Thür erschien, warf Karl seinen Hammer hin, sprang auf ihn zu und reichte ihm treuherzig die rußige Hand. Auch dem Vater zuckte es einmal im Arme, als ob er ein Gleiches thun wolle. Da bemerkte er den eigenen Sohn, der hinter dem Pflegesohn die Schwelle betrat, und er schlug in dem Augenblick auf die dünne, rothglühende Stange, die er in der Zange hielt, mit solcher Gewalt ein, daß er sie zu Fasern breit aus einander schmetterte.

Fritz ging auf ihn zu: »Vater, hast Du keinen Gruß für Deine Söhne?«

»Meine Söhne, Herr Baron?« sagte der alte Mann. »Ich hatte einen, aber...«

Er kam nicht weiter. Fritz hing an seinem Halse und küßte ihn. »Hab' ich das verdient,« rief er dabei, »daß Du mich Baron nennst?«