Die Brauen des Schlossermeisters zogen sich wieder finster zusammen, und nur mit dem Daumen über die Schulter deutend, sagte er: »Dort hinten – in der Küche.«
»Und darf ich zu ihr?«
»Ich führe Dich hin, Bruno!« rief Fritz, seine Hand ergreifend und ihn mit sich fortziehend.
Und dort draußen saß sie verlassen und allein, verbannt aus den Räumen, in denen sie sonst mit sorgender Hand gewirthschaftet, und nun, als ihr Sohn, um den sie das Alles verschuldet und geduldet, zu ihr trat und sie mit dem süßen, kaum gekannten Namen Mutter! rief, da flog sie empor, da schlang sie die Arme um seinen Nacken und preßte ihn an sich, als ob sie ihn nie im Leben wieder lassen wolle.
Fritz hatte sich zurückgezogen, um dieses erste Begegnen nicht zu stören, und schritt zurück zum Vater. – »Vater, zürnst Du der Mutter noch?«
»Nein,« sagte der Mann finster; »weshalb auch – ich habe nichts mehr mit ihr zu thun.«
»Nichts mit ihr zu thun?«
»Nein – nicht mehr – in nächster Woche werden wir geschieden.«
»Vater!« rief Fritz erschreckt, »um Gottes willen nein – das darf ja nicht sein! Hat denn die arme Mutter nicht schon so viel ertragen?«
»Viel ertragen?« sagte der Mann finster. »Sie hat erst angefangen, und mir indeß mein ganzes Leben vergiftet – Du weißt, wie glücklich wir zusammen gelebt haben,« fuhr er bewegt fort, »wie nie ein böses Wort unter uns gefallen. Ich habe die Frau auf Händen getragen, immer und immer, und nie glauben wollen, daß es eine bessere Ehe auf Erden geben könne, als die unsere. Das ist jetzt Alles vorbei; denn nicht allein, daß sie mich einmal betrogen hat – das hätte ich ihr vielleicht verziehen –, aber sie hat den Betrug beinahe ein Menschenalter durch fortgeführt. Jedes freundliche Lächeln, das ich von ihr in der langen Zeit gesehen, war gelogen – jeder Kuß, jeder Händedruck ein Betrug, und wie das mein Herz mit Gift und Galle überfüllt hat, da es endlich einmal zu einem Ausbruch kam und kommen mußte, kann ich Dir nicht sagen. Ich habe mir selber über das Gefühl Vorwürfe gemacht,« fuhr er rasch fort, als er sah, daß Fritz etwas entgegnen wollte; »ich weiß, daß es nicht christlich ist; ich habe mit selber gesagt, sie ist Dir die langen Jahre eine treue Gattin, Deinen Kindern eine gute Mutter gewesen, und der eine Fehltritt war schlimm, aber der liebe Gott wird ihr schließlich verzeihen, so thu' Du es auch – es ging nicht. Ich weiß, daß ich mich selber damit unglücklich mache, mein ganzes Leben lang, aber ich kann's nicht ändern. Ich habe es nicht verdient, aber ich muß es tragen, und – werd's auch mit der Zeit tragen lernen.«