»Also bei wem willst Du bleiben, mein Herz?«

»Bei Beiden,« sagte die Kleine, während ihr volle Thränen in die Augen traten, indem sie zum Vater sprang und seine Hand ergriff; »Du darfst nicht fortgehen, Vater, oder Du mußt die Mutter mitnehmen. Ich will bei Euch Beiden bleiben und Euch immer recht, recht lieb haben und recht gut und brav sein, und dann wirst Du auch wieder lachen und die Mutter nicht mehr so viel weinen.«

»Baumann,« sagte Witte, dem selber die Thränen in die Augen traten, »hört Ihr das Kind? Hört Ihr, was es sagt? Eure Frau ist Euch sechsundzwanzig lange Jahre eine gute, treue Gattin gewesen; sie hat den einen Fehltritt begangen, ja, aber auch furchtbar dafür gebüßt. Der Gerichtshof hat ihr Vergehen nicht für so entsetzlich strafbar gefunden, der König selbst, in Betracht dessen, was sie sonst gelitten und welche Reue sie gezeigt, ihr die ganze Strafe geschenkt, und denen allen war sie nur eine fremde Frau! Wollt Ihr härter und unerbittlicher sein, als selbst der Richter und der König? Seht die Frau an – dreht Eure Augen nicht ab, denn Euer Herz zieht Euch doch hin –, seht sie an, wie der Gram und Kummer sie gebrochen hat, und für ihr ganzes Leben wollt Ihr die Frau dem Jammer, der Reue überlassen?«

»Geh' nicht von der Mutter, Vater,« bat Else und hing sich an seinen Arm; »Du würdest nie wieder lachen und froh sein können und die arme Mutter immer, immer weinen!«

Der Mann drehte den Kopf noch nicht; er sah nur starr und wie mit gläsernen Augen auf sein Kind nieder, auf seine kleine Else. »Geh' nicht von der Mutter, Vater!« bat sie – und jetzt drehte er das Antlitz ihr zu – ihr, die er die langen, langen Jahre geliebt und im Herzen getragen und die ihn so glücklich gemacht hatte, daß er sich gar kein Leben ohne sie denken konnte. Und als sein Auge sie traf, als er die in Demuth und Schmerz gebeugte Frau vor sich kauern sah, mit keinem Wort des Widerspruchs, keinem Gedanken, als sich nur seinem ausgesprochenen Willen zu fügen, da brach plötzlich das Eis.

»Katharina,« sagte er, und das Wort rang sich ihm ordentlich von seiner Brust los – »wollen wir – bei einander aushalten?«

»Gottfried!« rief die Frau, ihrem Glück kaum trauend und die gefalteten Hände zu ihm erhebend.

»Die Else hat recht,« fuhr Baumann fort, »es geht nicht; wir haben Beide schwer getragen, aber jetzt – Alles vergessen und vergeben!«

»Gottfried,« schrie die Frau, emporspringend, »Du wolltest...«

»Bei Dir aushalten in Freud' und Leid, wie ich es Dir einst zugeschworen. Nach Amerika geh' ich, das ist bestimmt – aber Du gehst mit, und die Kinder alle mit einander, und der alte Gott – wird dort weiter helfen!«