Auch Salomon hatte nicht gesäumt seine Abreise zu betreiben, und die beiden Familien waren entschlossen, nicht allein die Reise zusammen zu machen, sondern sich auch in Amerika gemeinschaftlich einen passenden Platz auszusuchen und dort eine Niederlassung zu gründen.

In diese selbe Zeit fiel die Bestätigung von Heßberger's Urtheil. Er hatte sich an die Gnade des Königs gewandt, aber ohne Erfolg. Er war zu zwanzigjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt und wurde an dem nämlichen Tag in die Strafanstalt abgeliefert, als die Auswanderer die Stadt verließen.

Fritz kam jetzt fast alle Tage in die Stadt, um seine Pflegeeltern, über deren neu gewonnenes Glück er selige Freude fühlte, noch recht oft zu sehen, und hatte auch den Vater dringend gebeten, eine nicht unbedeutende Summe von ihm anzunehmen, um damit sein Fortkommen in dem fremden Welttheil zu sichern; aber der alte, starrköpfige Mann wollte nicht. So lange er seine Fäuste und seine Jungen hätte, meinte er, so lange sei er auch selber Manns genug, sich durch die Welt zu bringen; würde er einmal alt und schwach – was aber wohl noch eine Weile dauern könne – und sollte er es nothwendig brauchen, na, dann wollte er an Fritz schreiben und es ihn wissen lassen, eher nicht.

Es war nichts mit ihm anzufangen.

Die Hochzeit des jungen Erben von Wendelsheim mußte übrigens, durch den Todesfall des alten Barons aufgehalten, natürlich noch eine Weile hinausgeschoben werden, sonst hätte Fritz die Eltern auch gar nicht früher fortgelassen. So aber beschloß er, wenigstens sie bis Hamburg, als den Ort der Einschiffung, zu begleiten.

Morgens war das sämmtliche Passagiergut, da man die Frachtgüter lange vorausgeschickt, aufgegeben worden, und die Reisenden hatten schon ihre Plätze im Coupé genommen. Witte, der sie bis dahin begleitet, um noch einen letzten Abschied von ihnen zu nehmen, stand draußen auf dem Perron am Wagenfenster, als Rath Frühbach, den linken Arm wie gewöhnlich auf dem Rücken, langsam angeschlendert kam und, durch den davor stehenden Staatsanwalt aufmerksam gemacht, zu seinem Erstaunen die ganze Gesellschaft erkannte.

»Alle Wetter,« rief er überrascht aus, »ich habe es schon in der Stadt an verschiedenen Orten gehört, aber immer nicht glauben wollen! Also soll es wirklich nach Amerika gehen?«

»Nach Amerika, lieber Rath!« rief Bruno, der selig neben seiner Braut im Wagen saß, da der alte Salomon bestimmt hatte, der vielen Schwierigkeiten wegen, die ihnen hier in Deutschland bei einer solchen Trauung gemacht würden, dieselbe aufzuschieben, bis sie New-York erreichten. – »Nach Amerika – und wenn Sie etwas dahin zu bestellen hätten....«

»Hm,« sagte der Rath, »da fällt mir eine Geschichte ein. In Schwerin....«

In dem Moment pfiff die Locomotive. »Wagen frei, meine Herren!« rief der Schaffner. »Es geht fort!« Die Wagen thaten einen Ruck, setzten sich in Bewegung, und fort brauste der kleine Schnellzug, seinem Ziel, der fernen Hansestadt entgegen.