In Hamburg angekommen, sahen sie sich, wie das gewöhnlich geht, noch genöthigt, einige Tage auf die Abfahrt des als »segelfertig« angekündigten Schiffes zu warten, und das konnte Baumann doch nicht verhindern, daß ihnen Fritz nämlich statt der genommenen Zwischendeck-Billets bequeme Kajütenplätze ausmachte. Aber er hatte dabei auch außerordentlich viel und geheimnißvoll mit dem alten Salomon, den er selber schon von früher als einen braven und rechtlichen Mann kannte, zu verhandeln und zu besprechen und war oft stundenlang mit ihm abwesend. Was es aber gewesen, erfuhr Niemand, selbst nicht, als das Schiff endlich seine Abfahrt signalisirte und die Passagiere an Bord mußten.
Der Abschied war herzlich. Fritz hatte noch nicht vergessen, die alten Baumanns als seine wirklichen Eltern zu betrachten, und die kleine Else trug er selber in's Boot und von dort in seinem Arm an Bord hinauf. Jetzt noch ein Händedruck, noch ein Kuß – dann blähten die Segel aus – Tücher winkten nach, und fort mit einer günstigen Brise glitt das Schiff, das glückliche Menschen einer neuen Heimath entgegenführte. – –
Ein volles Jahr war vergangen, aber Fritz, längst mit der Geliebten vereinigt und im Besitz alles dessen, was einen Menschen wirklich glücklich machen kann, hatte noch immer nichts von seinen Lieben in Amerika gehört und sehnte sich doch so nach einem Brief.
Von Salomon erhielt er allerdings einmal, nach kaum sechs Monaten, ein paar geschäftliche Zeilen, die ihm anzeigten, daß sie glücklich da drüben gelandet wären und ihre neue Heimath bezogen hätten, daß es auch Allen gut ging, er aber weiter nichts schreiben wolle, da es ihm der alte Baumann verboten. Der nämlich habe selber die Absicht, ihm einen langen Brief zu schicken, und dem möge er deshalb nicht vorgreifen.
Aber der versprochene Brief kam nicht, und Monat nach Monat verging, so daß Fritz schon anfing sich zu sorgen. Da brachte der Postbote eines Tages den ersehnten, und das war wirklich ein Brief.
Auf grobes Schreibpapier geschrieben, reichlich vier Bogen davon zusammengefaltet und mit einer Unzahl von Siegeln beklebt, wog er in das Unglaubliche und kostete ein Heidenporto. Fritz aber jubelte laut auf, als er ihn erhielt. Das waren die starren, ehrlichen Züge seines alten Pflegevaters, und mit wenigen Sätzen sprang er hinauf in das Zimmer seiner kleinen Frau, um mit dieser das Schriftstück gemeinschaftlich zu genießen.
Beide lachten auch hell auf, als sie den Brief öffneten und die Buchstaben sahen, die wie durch einander geworfenes Werkzeug auf dem Papier umher lagen; aber Fritz traten doch die Thränen in die Augen, denn in den rauhen Zügen sah er das Bild des braven, wackern Mannes wieder, so klar und deutlich, als ob er vor ihm stände.
Kathinka würde freilich lange gebraucht haben, bis sie die wunderlich zusammengestellten Zeichen entziffert hätte; Fritz aber, der seines Vaters Handschrift schon von früher kannte, fand sich leicht hinein, und wie er nur einmal die ersten Zeilen bewältigt, las er die Hieroglyphen frisch vom Blatte weg. Der Brief lautete:
»Mein lieber Fritz! Eigentlich habe ich mir schon seit sechs Monaten jeden Tag vorgenommen, an Dich zu schreiben, aber es kam immer 'was dazwischen, und dann geht es mit Schreiben hier in Amerika gar nicht so leicht wie daheim, denn die Dinte trocknet Einem immer ein, und wenn man nachher Wasser dazu gießt, ist nichts drin.