»Aber ich muß Dir vor allen Dingen danken für Deine Liebe und Güte! Böser Junge, hatte ich Dir nicht gesagt, daß wir uns hier unser Fortkommen selber gründen wollten? Und was machst Du nun für Streiche? Wie wir herkommen, reise ich mit dem alten Salomon, der ein ganz tüchtiger Kerl ist, und mit Bruno in's Land hinein, um uns etwas auszusuchen. In Indiana fanden wir eine prachtvolle Farm mit einem herrlichen, großen Backsteinhause, fünfzig Acker urbar gemachtem und ich weiß gar nicht wie viel Holzland und Prairie, mit Vieh und Pferden und Allem, was dazu gehört; aber wir übernachteten da blos, um einen Nachbarplatz anzusehen, denn ich konnte natürlich nicht daran denken, eine solche Farm zu kaufen; mein Capital hätte nicht einmal für das Haus allein ausgereicht, das groß genug ist für drei Familien, und noch dazu eine kleine Stadt ganz dicht dabei, als ob sie dazu gehörte. Daran gränzte aber ein kleines Häuschen mit ein paar Acker Feld, das noch beinahe mit zur Stadt gehörte, und der alte Salomon beredet mich richtig, das kleine Nest zu kaufen; er wolle dann dicht daneben in die Stadt ziehen, damit wir hübsch bei einander wohnten. Das thu' ich denn endlich, obgleich mir das kleine Nest nicht besonders gefiel; aber es war doch ein Obdach, und wir verzehrten doch nicht so viel Geld, als in der Stadt, und ich bekam vielleicht auch aus der Stadt heraus, wo gar kein Schlosser war, Arbeit. Wir reisen also zurück und holen die Frauen und Kinder ab, und nur Salomon blieb selber dort, um Alles herzurichten. Aber denke Dir, wie wir zurückkommen und in das kleine Haus ziehen wollen, will sich der alte Jude vor lauter Vergnügen todtlachen und behauptet, daß das große Haus mit allem Feld und Vieh und weiß Gott, was sonst noch, mein gehöre! Ich wollt's erst gar nicht glauben, und wie er mir sagte, daß er es in Deinem Auftrage für mich gekauft hätte, wollt' ich fuchsteufelwild werden – aber es war gar so hübsch und herrlich da und die Frauen und Kinder so glücklich und selig in dem Gedanken, und geheult haben sie vor Rührung und Dir tausend und tausendmal für Deine treue Liebe gedankt! Da überlegte ich mir denn endlich die Sache. Es ist ja doch Dein Junge, wenn er's auch nicht wirklich ist – Du hast ihn auf den Armen großgezogen und die Mutter hat sich um ihn gesorgt und geängstigt – er hat's auch, es thut ihm nicht weh, und von ihm kann ich's nehmen. Und da sitzen wir jetzt – die glücklichsten Menschen, die es auf der Welt geben kann – und das größte Glück, daß ich die Mutter mitgenommen habe, sonst hätt' ich's hier im Lande nicht ausgehalten, und Du solltest nur sehen, wie sie wirthschaftet und schafft, und wie heiter und glücklich sie geworden ist!
»Ich habe mir jetzt eine kleine Werkstatt eine Strecke vom Hause ab gebaut, damit sie drinnen das arge Klopfen nicht hören, denn Arbeit giebt's heidenmäßig viel, und ich werde manchmal mit dem Karl gar nicht fertig. Der Franz ist noch als Gesell in New-York geblieben; er soll erst 'was Tüchtiges lernen und dann auch zu uns herkommen, und Bruno, der mit seiner jungen Frau und dem alten Salomon'schen Paare bei uns im Hause wohnt, bis sein eigenes fertig ist, was er für sich baut, führt uns die ganze Feldwirthschaft und hat sich tüchtig hineingefunden.
»Wenn wir Dich nur noch hier hätten, so wäre Alles gut; aber wenn es irgend angeht, so mußt Du uns einmal besuchen.
»Und jetzt lebe wohl! Wir sind Alle gesund und wohl, und Bruno ist ganz selig mit seiner jungen, hübschen Frau, die ein ganz braves, fleißiges Weibchen ist – und der alte Salomon reist im Lande umher und handelt; das können die Art Leute nun einmal nicht lassen.
»Karl will auch nächstens heirathen – eine Nachbarstochter – meinetwegen – wir haben's Alle nicht besser gemacht.
»Aber nun leb' noch einmal wohl – hab' nochmals tausend Dank, mein braver Fritz, für Deine Liebe! Grüße Deine liebe Frau und den Herrn Witte schön von mir und sage ihm, auch ihm wären wir Alle recht von Herzen dankbar. Und nun habe ich noch zahllose Grüße und Küsse von Allen zu bestellen; sie wollten selber noch etwas mit in den Brief schreiben, aber ich habe Niemanden hineingucken lassen, denn er sieht ein bischen wild aus und es sind viele Klexe drin – die Feder ist mir immer zu dünn und zu leicht zum Halten.
»Gott segne Dich, mein guter Fritz, und Dein braves Weib!
Dein treuer Vater
Gottfried Baumann.«
Ende.