»Aber, verehrtester Herr Geheimer Staatsanwalt,« sagte er, »glauben Sie denn wirklich, was der böse Herr Geheime Rath über uns gesagt hat? Habe ich Sie nicht immer bedient, wie sich's gehört und gebührt, und halten Sie mich wirklich für einen so corrumführten Menschen, um den Zorn Gottes auf mich zu laden?«

»Herr Commissar,« sagte Witte, der in der Diele, aber von Kohlenstaub fast verdeckt, ein kleines Stück blanken Eisens bemerkt hatte. Es war kaum sichtbar; nur dadurch, daß das Licht der Laterne einmal darauf fiel, blitzte es ein wenig, und Witte's Auge haftete daran. Was der Schuhmacher sagte, hörte er gar nicht. – »Bitte, kommen Sie einmal hieher.«

»Jawohl, Herr Staatsanwalt; was wünschen Sie?«

»Sie haben mehr Praxis in derlei Dingen – was ist das da auf dem Boden?«

»Das hier?« sagte der Commissar, indem er sich dazu niederbog. »Hm, das sieht beinahe aus wie der Riegel an einer Thür, und ich weiß eigentlich nicht, was das hier auf dem Boden bezweckt.«

»Haben Sie kein Instrument bei sich, um es einmal zu versuchen?«

»Vielleicht finden wir etwas in der Werkstätte. Heh, Heßberger, was ist das hier für ein Eisen?«

»Kann ich nicht sagen, Herr Geheimer Commissar,« erwiederte der Schuster; aber dem Staatsanwalte entging nicht die Verlegenheit des Mannes. – »Hat vielleicht früher hier einmal ein Schrank gestanden. So lange ich hier wohne, habe ich die Kammer immer nur zu Kohlen benutzt. Wahrscheinlich sind die Dielen damit zusammengefügt. Das Haus ist sehr schlecht gebaut, es trocknet Alles zusammen, wenn es nicht genagelt und geschraubt wird.«

»Geben Sie mir einmal irgend ein Instrument her,« sagte der Staatsanwalt, der indeß den Kohlenstaub mit den Händen von der Stelle weggewischt hatte – »und wenn es ein krummgebogener Nagel ist. Ich gehe nicht fort, bis ich den Platz hier untersucht habe.«

»Wenn Sie erlauben,« sagte der Schuhmacher, »werde ich Ihnen gleich etwas holen; ich habe da unten noch etwas Werkzeug stehen.« Und ohne eine Antwort abzuwarten, sprang er nach der Treppe.