»Halt,« sagte der dort stationirte Polizeidiener, »kein Mensch durch!«
»Aber ich will gerade für den Herrn Geheimen Staatsanwalt....«
»Laßt ihn nicht durch!« rief Witte. »Er soll herkommen – wir kriegen das Ding schon auf – nur irgend etwas her, um damit zu heben!«
Der eine Polizeidiener hatte sich die Stelle jetzt ebenfalls angesehen und brachte rasch einen der Haken herbei, mit denen die Leisten aus den Stiefeln gezogen werden. »Können Sie das vielleicht gebrauchen, Herr Staatsanwalt?«
»Wie dazu gemacht!« rief Witte vergnügt, indem er den Haken in die Oeffnung brachte und daran hob. Er brauchte aber gar nicht etwa stark zu ziehen, denn das von den Kohlen befreite Brett gab außerordentlich leicht nach und zeigte jetzt an seinem unteren Ende sogar ein Charnier, mit dessen Hülfe sich eine ordentliche Klappe bildete. Wie er aber den Deckel hob, entstand draußen an der Treppe ein Lärm – der Schuster hatte mit Gewalt hinunterbrechen wollen, und der Polizeidiener wäre beinahe von ihm die Treppe hinabgeworfen worden. Auf seinen Hülferuf sprang aber einer der Kameraden hinzu, und wenige Minuten später hatten sie den wüthend um sich schlagenden Schuhmacher überwältigt und fest gepackt, und der Commissar, der nun allerdings vermuthen mußte, daß der Bursche ein böses Gewissen habe, befahl, ihm die Hände auf dem Rücken zusammen zu schnüren.
»Hallo, Commissar,« rief Witte jubelnd aus, »kommen Sie einmal hieher und sehen Sie, was wir da haben! Hol's der Teufel, das ist ein ganzes Nest von Sachen, und Sie werden ein paar Stunden Arbeit bekommen, um die alle zu protokolliren!«
Die Frau Heßberger hatte in ihrer Stube auf dem Lehnstuhl gesessen und wollte jetzt aufstehen – aber sie konnte nicht; wie in einander gebrochen sank sie zurück und war so weiß geworden wie ihre Gardinen.
Witte indessen, den Kohlenstaub und die Arbeit nicht achtend, sprang fast jubelnd in die kleine Höhlung hinein, und die Gegenstände von dort herauf gegen das Licht werfend, rief er: »Da, sehen Sie – Heiland der Welt, was sich der Schuft hier für eine ordentliche Schatzkammer von Waaren angelegt hat – silberne Löffel in Masse – bei Gott, da ist der Deckel zu meiner Zuckerdose und hier die Schalen – Seidenzeug, Meerschaumköpfe, alte, kostbare Goldsachen – sehen Sie nur den Reichthum!«
»Herr Staatsanwalt,« schrie da der Commissar erschreckt, »dabei sind Sachen, die dem alten Salomon gehört haben!«
Der Staatsanwalt richtete sich empor; er war in dem Moment der Aufregung todtenbleich geworden.