Der Staatsanwalt war aufgestanden und ein paarmal in seiner kleinen Stube auf und ab gegangen.
»Ich war heute in Wendelsheim,« sagte er, »und kam gerade zur rechten Zeit, um einem heftigen Auftritt Ihrer Fräulein Tante mit dem jungen Mädchen da draußen – wie heißt sie doch gleich?«
»Mit Kathinka?«
»Ja, mit Kathinka beizuwohnen. Dann hatte ich eine Unterredung mit der Dame selbst; ich wollte sie zu einem Geständniß bringen, aber es mißlang gründlich.«
»Die Baronin von Wendelsheim hat also nie um den Tausch gewußt?«
»Es scheint nicht so; aller Vermuthung nach hat Fräulein von Wendelsheim die Kleinigkeit, jedenfalls unter Mitwissen Ihres Vaters, besorgt.«
»Sie leugnete?«
»Sie ließ sich nicht einmal herbei, zu leugnen, denn damit hätte sie sich auf der Defensive halten müssen, sondern sie ging augenblicklich, wie ein tapferer Feldherr, zur Offensive über, und ich gebe Ihnen mein Wort, sie leistete darin Außerordentliches. Von der Dame ist auch nie ein Geständniß zu gewärtigen; eher verräth der Stuhl da, wo der Baum gestanden hat, aus dem er einst geschnitten wurde.«
»Und wäre es denn nicht möglich, die ganze Sache zurückzuziehen? O, Gott ist mein Zeuge, ich verlange den Reichthum nicht, und ehe so großes Elend über so viele Menschen kommt....«
»Das ist zu spät, mein junger Freund,« sagte Witte, »und zwar nicht allein der Gerichte, sondern vorzüglich Ihres eigenen Vaters – des Schlossermeisters, wollte ich sagen – wegen; denn dessen Schädel ist härter als das Eisen, das er schmiedet. Aber es ginge auch überhaupt nicht, die Sache ist schon zu weit gediehen; wir könnten nicht mehr zurück, selbst wenn wir wollten. Aber wir wollen auch nicht,« setzte er hartnäckig hinzu, »und es ist eine Art von Zweikampf daraus geworden, den ich schon ehrenhalber mit Ihrer Fräulein Tante auszufechten habe.«