»Was wollte der Mensch wieder bei Dir?« war hier die erste Frage, die sie that.

»Welcher Mensch, mein Kind?«

»Der Herr Baumann, wenn Dir das besser klingt.«

»Ah, der junge Baumann; er hatte Einiges mit mir zu besprechen.«

»Und wagt der noch, nach dem, was vorgefallen, unser Haus zu betreten?«

»Liebes Kind,« sagte der Staatsanwalt, der seit der letzten Ueberraschung bei Heßbergers angefangen hatte sich zu emancipiren, und dem das hochmüthige Wesen der Gattin, dem eigenen schlichten Charakter gegenüber, höchst fatal war – »wenn Du bei seiner Tante einen Besuch machst, wird er mir den doch erwiedern dürfen!«

»Witte,« rief die Frau mehr empört als erschreckt, »Du weißt, daß ich dazu nur durch die Räthin Frühbach verleitet wurde; es ist niedrig und unwürdig von Dir, mir das vorzuwerfen!«

»Was wünschest Du, mein Schatz? Ich bin gerade im Begriff, auszugehen.«

»Ich wollte Dich in etwas um Rath fragen,« sagte die Frau, rasch abbrechend, denn ihre Gedanken liefen allerdings in dem Augenblick auch auf Anderes hinaus. »Der junge Baron von Weldern – Du kennst ja den alten Baron von Weldern mit dem reizenden Rittergut am Vorberge – hat uns heute Morgen seinen Besuch gemacht, und ich wollte Dich fragen, ob Du es nicht vielleicht für passend hieltest, wenn wir ihn für morgen Abend zu einer Tasse Thee bäten! ich hatte mir gedacht....«

»Ich will Dir etwas sagen, mein liebes Kind,« unterbrach sie der Staatsanwalt, »und ich bitte, Dich für die Zukunft danach zu richten: ich verbiete Dir also hiermit auf das strengste, von heute ab weder zu Thee, noch Kaffee, Mittag- oder Abendessen je wieder einen Adeligen, einen Baron oder Grafen, oder welchen Titel die Herren sonst führen mögen, einzuladen!«