»Aber, Witte!« rief die Frau und schlug vor Erstaunen die Hände zusammen.

»Du hast mich doch verstanden?«

»Du bist wohl wahnsinnig geworden?« rief seine zärtliche Gattin.

»Ich war noch nie so voll bei Verstande, als in diesem Augenblick,« entgegnete der Staatsanwalt und griff nach seinem Hut, denn er wünschte diese Scene doch so viel als möglich abzukürzen.

»Aber unsere Stellung im Leben....«

»Ist eine höchst ehrenvolle,« erwiederte Witte, »so lange wir uns auf dem Boden derselben bewegen, und – es werden uns nachher solche Demüthigungen erspart werden, wie wir sie jetzt erfahren müssen.«

»Welche Demüthigung?« fragte die Frau erstaunt.

»Das ist eine kleine Ueberraschung, liebes Herz,« sagte Witte, »die Dir noch vorbehalten bleibt; Du magst Dich aber immer darauf gefaßt machen. Du nimmst es mir nicht übel, daß ich Dich verlasse, ich habe dringende Geschäfte.«

»Aber ich werde doch als Frau vom Hause einladen dürfen, wen es mir beliebt?« rief die Frau, empört über diese rücksichtslose und ganz ungewohnte Behandlung.

»Doch nicht, mein Schatz,« sagte Witte, der heute gerade in der Stimmung war, seinen einmal geäußerten Willen durchzusetzen, »oder Du könntest in die unangenehme Lage kommen, daß weder ich noch Ottilie bei Deiner Festlichkeit erschienen; und ich weiß, daß Du zu verständig bist, Dir eine solche Blamage öffentlich aufzuladen!« Und damit griff er seinen Stock aus der Ecke auf und schritt mit den Worten: »Ich gehe auf die Polizei!« durch seine Schreibstube hin und die Treppe hinunter, seine auf's äußerste empörte Frau heute sich selber überlassend.