»Mich? Gewiß nicht,« sagte der alte Herr, aber fast erschrocken, denn Bruno von Wendelsheim sah so bleich aus wie die Wand. »Bitte, treten Sie näher, lieber Baron – hier herein, wenn Sie so gut sein wollen; meine Leute kommen bald zurück und haben da ihre Plätze. Mit was kann ich Ihnen dienen?«
»Herr Staatsanwalt,« sagte Bruno, der der Einladung Folge leistete, »ich kenne Sie als einen Ehrenmann....«
»Lieber Herr Baron, aber wollen Sie denn nicht Platz nehmen?«
Wendelsheim wehrte mit einer dankenden Bewegung der Hand ab und fuhr fort: »Ich komme deshalb, um eine Frage an Sie zu richten, Mann zu Mann.«
»Wenn ich im Stande bin, sie Ihnen zu beantworten,« sagte Witte und wünschte sich in dem Augenblick zehn oder zwanzig Meilen fort von da.
»Niemand weiter in der ganzen Stadt so gut als Sie,« sagte der junge Mann, »denn wie mir versichert ist, haben Sie die Leitung der ganzen Affaire in der Hand. So sagen Sie mir denn: in wie weit ist das Gerücht begründet, daß bei meiner Geburt ein Kindertausch mit der Frau eines hiesigen Handwerkers stattgefunden hat und ich demnach nicht der leibliche Sohn des alten Baron von Wendelsheim, sondern der des Schlossers Baumann wäre?«
»Alle Teufel,« rief Witte überrascht, »und wo haben Sie das schon gehört?«
»Beantworten Sie mir erst die Frage, Herr Staatsanwalt.«
»Wenn Sie mich drängen,« sagte Witte achselzuckend, »so muß ich Ihnen allerdings, was Sie mich eben gefragt haben, bestätigen. Aber woher Sie....«
»Und ich bin nicht das, als was ich erzogen worden, der Erbe des Hauses von Wendelsheim, sondern eines Schlossers Sohn?«