»Hol' Sie der Teufel, Rath!« rief der Major, vor innerlichem Schmerz die Zähne zusammenbeißend und ein jämmerliches Gesicht ziehend. »Ich liege hier so schon auf der Folter, und Sie kommen nun auch noch, um mich zu langweilen. Ich verstehe kein Wort von Allem, was Sie sagen.«

»Sie verstehen nicht, was ich sage? Die Wendelsheim'sche Geschichte ist zum Ausbruch gekommen, sag' ich, der Kindertausch constatirt und festgestellt. Das Fräulein von Wendelsheim steckt mit drin und war gestern schon deshalb im Verhör, und die Frau Müller ebenfalls. Polizei auf dem Schlosse draußen, bis der richtige Erbe ermittelt ist – der Lieutenant von Wendelsheim abgesetzt – die ganze Stadt in Aufruhr...«

»Hurrah!« schrie plötzlich der Major, von seinem Stuhl emporspringend und Gicht, Umschläge, Beine, Rücken, Kreuz und wie die Schlachtfelder seiner verschiedenen Krankheiten alle hießen, ganz vergessend, »hurrah, hurrah, hurrah hoch!«

»Und der Baron von Wendelsheim ist verrückt geworden,« sagte der Rath.

»Und noch einmal hurrah!« schrie der Major, daß Frau von Bleßheim von ihrem Sopha emporfuhr und die Liese den verbundenen Kopf erschreckt wieder in die Thür hereinsteckte und rief: »Na um des Erlösers willen, was ist denn nu los?«

»Liese,« rief der Major, der einen allerdings nicht recht glückenden Versuch machte, auf dem einen Bein zu stehen und das andere, kranke, emporzuheben, »kommen Sie 'mal herein.«

»Was soll ich denn?«

»Was hab' ich Ihr versprochen, wenn die Wendelsheim'sche Lumperei an den Tag kommt und die ihr Recht kriegen, denen es gebührt?«

»Fünf Thaler, Herr Major; aber die stehen im Schornstein,« knurrte die alte Magd. »Wenn ich das Alles kriegen sollte, was Sie mir schon versprochen haben!«

»Hier sind sie, Liese,« rief der Major und schleppte sein linkes Bein dem Tische zu, in dessen Schieblade er seine Brieftasche liegen hatte; »da – da sind die fünf Thaler, und noch einmal hurrah!«