»Aber selbst wenn mein gnädiges Fräulein Tante gar nicht mehr den Oberbefehl hier hätte – ein Zustand, der sehr wahrscheinlich ist –, würden Sie dann immer noch fort wollen?«
»Ja, Herr Baron – ich würde doch gehen.«
»Dann haben Sie einen andern Grund.«
Kathinka schwieg; sie war jetzt eben so bleich geworden, als sie vorher roth gewesen.
»Und darf ich ihn nicht wissen?«
Noch immer stand das junge Mädchen und sah still und lautlos zur Erde nieder.
Da trat Fritz ihr näher, nahm ihre Hand und sagte leise: »Kathinka, ich kenne Ihr ganzes Leben, ich weiß, was Sie hier in dem alten Schloß ausgehalten, weiß, mit wie himmlischer Geduld Sie Alles ertragen haben nur des Bruders wegen, und lebte Benno noch, nie, nie hätte er gestattet, daß Sie Schloß Wendelsheim verlassen dürften. Ich bin sein Erbe, nicht allein der Erbe seines Gutes, nein, auch seiner Liebe – gehen Sie nicht fort. Sie haben Schloß Wendelsheim als eine Hölle gesehen, machen Sie es selber zu einem Himmel.«
»Herr Baron!« rief Kathinka, bestürzt zu ihm aufsehend.
»Erschrecken Sie nicht darüber, Kathinka,« rief Fritz, sie mit seinem linken Arme umfassend – »werden Sie mein Weib – ich war Ihnen gut vom ersten Augenblick an, wo ich Sie gesehen, und suchte doch das Glück an anderer Stätte, wo ich es wahrscheinlich nie gefunden hätte. Jetzt bin ich zurückgekehrt...«
»Um Gottes willen,« rief Kathinka beinahe außer sich, »Ihren Scherz können Sie ja doch an Benno's Grab nicht mit einer armen Waise treiben – und Ernst? Es ist ja nicht möglich, nicht denkbar!«