»Werden Sie mein Weib, Kathinka,« bat Fritz noch einmal und sah ihr so treu, so liebend in die Augen, daß ihr schwindelte. »Einen heiligeren Platz für Ihr Jawort, als des Bruders Grab, finden wir nicht auf der weiten Welt, und daß sein Geist mit Jubel unsern Bund segnet – glauben Sie es nicht?«
»Aber es ist – es ist ja doch nicht möglich!«
»Bist Du mir gut, Kathinka?« drängte Fritz, indem er sie fester an sich preßte; »o, sage nur das eine Wörtchen: Ja!«
»Gut?« rief das junge Mädchen, und während sie ihr Haupt an seiner Brust barg, machte ein Thränenstrom ihrem gepreßten Herzen Luft. Fritz aber, ohne sie loszulassen, in Glück und Seligkeit, führte sie zu dem Grabe des Bruders, und dort, sich fest umschlingend, beteten Beide still und heiß.
»Und nun komm,« sagte Fritz endlich, sie mit sich vom Boden hebend; »mir bleibt noch viel daheim im Schloß zu thun, denn von heute ab hab' ich es übernommen. Du wirst so lange, bis unser Bund gesegnet werden kann, zu der alten Verwalterin hinüberziehen, und daß Dich die Tante nicht mehr kränkt, dafür laß mich sorgen. Aber eine Frage beantworte mir noch, Kathinka, ehe wir den Park verlassen: Weshalb wolltest Du doch das Schloß meiden, auch wenn die Tante da nicht mehr zu befehlen hätte?«
Kathinka war wieder blutroth geworden; sie richtete sich von der Brust des Geliebten, der sie noch immer umschlungen hielt, auf und sah ihm in die Augen.
»Und darf ich es wissen?«
Und wieder barg sie ihr Haupt an seiner Schulter und flüsterte: »Weil ich elend geworden wäre, wenn ich Dich in den Armen einer andern Gattin gesehen hätte!«
»Mein Lieb, mein süßes, herziges Lieb! Und so warst Du mir schon lange gut?«
»O, von ganzem Herzen und von ganzer Seele!« rief die Jungfrau und umschlang zum ersten Male den Geliebten mit beiden Armen.