»Gottes Strafe – Gottes Gericht!« flüsterte der Baron.
»Aber von was redest Du, Vater?« rief Bruno ordentlich erschreckt. »Wofür Gottes Strafe, wenn Du das eine Strafe nennst, daß Dein Kind endlich das Glück findet, das es so lange gesucht und – leider nicht im Vaterhause finden konnte?«
»Geh',« sagte der alte Mann, indem er ihn mit der Hand langsam von sich schob, ohne ihm aber sein Auge zuzuwenden, »geh', Du bist mündig und bald Dein eigener Herr. Was kümmert Dich auch der Name unseres Hauses, auf das Du Schmach und Schande häufst? Ich will Dir nicht fluchen – ich darf es nicht; aber – verlange nie meinen Segen zu einer Verbindung mit der Judentochter – er würde Dir auch nichts nützen,« setzte er heiser hinzu – »er würde selber nur zum Fluche werden!«
Die Worte des alten Mannes waren für den Sohn räthselhaft; er begriff nicht, welche mögliche Deutung er ihnen geben konnte. Ehe er aber im Stande war eine weitere Frage an ihn zu richten, öffnete sich die Thür, und Tante Aurelia, deren scharfer Blick, selber staunend, die Gruppe überflog, stand auf der Schwelle.
»Was ist da vorgegangen?« sagte sie finster. »Was hast Du wieder mit dem Vater gehabt, Bruno? Das weiß doch der Himmel, daß Du das Haus nie betrittst, ohne einen Verdruß zu bereiten!«
»In der That, Tante?« sagte Bruno, der ihr gegenüber ganz wieder den alten Groll erwachen fühlte und sich auch wenig deshalb sorgte, die ihm verhaßte Verwandte zu schonen.
»In der That,« lautete ihre Antwort, »ich erwarte es gar nicht anders.«
»Dann möchten heute Ihre Erwartungen vielleicht noch übertroffen werden – guten Morgen, Tante!«
Staunend sah sie ihm nach; aber Bruno kümmerte sich nicht weiter um sie. Ohne selbst noch einmal zu dem Zimmer des Bruders hinauf zu gehen, schritt er nach dem Stall hinüber, sattelte sich selber sein Pferd und ritt dann in die Stadt zurück.
Ende des ersten Bandes.