»Na, Onkel Heßberger,« sagte da Karl, dem es selber leid that, den kleinen Mann so rauh behandelt zu sehen, »so legen Sie doch wenigstens ab und nehmen Sie sich einen Stuhl. Wie geht's zu Hause? Ist die Tante wohl?«
»Danke, mein Sohn,« sagte der Schuhmacher, indem er der Einladung Folge leistete – denn das Verschwinden des Bierkruges war nicht unbeachtet von ihm geblieben – »leidlich wenigstens; sie hat aber heute wieder über Land gemußt, um ein paar Patienten in Wendelsheim zu besuchen, leider jedoch keine guten Nachrichten von dort mitgebracht.«
»Von Wendelsheim?« rief Fritz schnell. »Doch nicht vom Schlosse?«
»Ja, allerdings,« nickte der Schuhmacher mit einem wehmüthigen Blick nach oben. »Des Herrn Hand ruht schwer auf dem stolzen Baron; sein zweiter Sohn, der Benno....«
»Es ist ihm doch nichts geschehen?«
»Er hat heute Morgen einen furchtbaren Blutsturz bekommen und liegt am Tode.«
»O, Du großer, allmächtiger Gott!« rief Fritz erschreckt aus. »Aber das ist ja gar nicht möglich. Ich bin selber noch heute Morgen bei ihm gewesen, und als ich fortging, hörte ich noch, wie er sich laut unterhielt und fröhlich lachte.«
»Ganz richtig,« sagte der Schuhmacher; »nach dem Deschuneh war er in den Garten spazieren gegangen, und da hat's ihm arrivirt. Er ist ja auch elend von seiner Geburt an gewesen; seine ganze Constitution ist corrumführt. Kurz und gut, er bekam plötzlich einen Blutsturz, und als meine Frau, die unten zufällig im Dorfe war und davon hörte, hinauf eilte, waren ihm schon die ganzen Extermitäten kalt.«
»Ach, das ist ja schrecklich,« stöhnte Fritz; »der arme junge Herr! Und ich freute mich noch so, als ich fortging, daß er so vergnügt und heiter war.«
»Ja, Du lieber Himmel,« sagte der Schuhmacher, »mit dem Menschen geht es oftmals schnell zu Ende, und es weiß Keiner, wann ihm sein Brot gebacken ist. Aber was thut's, der Freiherr hat ja noch immer den einen Sohn, und der erbt jetzt die ganze Bescherung. Es soll ein heidenmäßiges Vermögen sein.«