»Mit mir?« sagte Baumann. »Ich thu' ihr wahrhaftig nichts; aber sie soll mir auch mit ihrem Kartenlegen und Prophezeien vom Leibe bleiben.«
»Na, Guten Abend denn miteinander!« sagte der Schuhmacher, indem er wieder aufstand; »ich muß auch heim, sonst machen mir die verflixten Jungen lauter dumme Streiche.« Und nach kurzem Gruß gegen die Verwandtschaft nahm er sein Buch wieder unter den Arm, setzte den riesigen Hut auf und stieg aus der Thür.
Baumann hatte ihm kopfschüttelnd zu- und nachgesehen und ließ den Lehrjungen dann das Geschirr hinausräumen. Wie der draußen war, sagte er finster: »Kathrine, Du darfst mir's glauben, der Heßberger, wenn er auch Deine Schwester geheirathet hat und dadurch unser Schwager wurde, ist ein Erzlump, und Deine leibliche Schwester – bestärkt ihn nur darin.«
»Aber Gottfried!«
»Nein, nein,« winkte ihr Mann mit der Hand, »das ist der reine Betrug, was die Beiden mitsammen treiben, und daß sie nur noch Esel finden, die ihnen glauben und Geld bezahlen, das einzige Unglück bei der Sache.«
»Aber sie hat schon so viel vorhergesagt, was eingetroffen ist.«
»Bah, komm Du mir nicht auch etwa mit dem Unsinn! Wenn der Zufall einmal sein Spiel hat, wird es ausgebeutet, und wenn es nicht eintrifft, eben nicht weiter davon gesprochen. Ueberhaupt, Kathrine, es thut mir leid, daß ich es sagen muß, denn es ist nun einmal Deine Schwester, aber der Umgang mit ihr ist mir nicht lieb, und da Du lange Jahre fast gar nicht mit ihr verkehrt hast, thut's mir leid, daß das jetzt wieder von Frischem anfangen soll.«
»Sie meint es gewiß gut,« sagte die Frau mit einem recht aus tiefer Brust herausgeholten Seufzer. Aber Baumann schüttelte auch dazu den Kopf.
»Mit sich, ja, das geb' ich zu, aber nicht mit anderen Leuten,« sagte er finster; »sie hat kein gutes Herz, das steht ihr schon in den Augen geschrieben, und wenn sie Einen damit ansieht, kommt es mir immer so vor, als ob sie durch und durch bohrte, um Alles zu errathen, was man denkt.«
»Du kannst sie nun einmal nicht leiden, Gottfried.«