»Er ist selbstständig geworden – aber Ihnen ist der Ball ebenfalls gut bekommen, Herr Baron?«
»Ausgezeichnet, mein gnädiges Fräulein; ich habe vortrefflich geschlafen, aber die ganze Nacht von weiter nichts geträumt, als mißglückten Touren und allen möglichen Fatalitäten.«
»Ob Einem das aber nicht immer so geht,« sagte die Mutter; »ich habe geträumt – aber wollen der Herr Baron sich denn nicht niederlassen, Sie nehmen uns ja sonst die Ruhe mit – ich habe geträumt, das Mädchen hätte den Rehrücken in die Kohlen fallen lassen und die Eistorten wären ganz aus einander geschmolzen gewesen. Aber wissen Sie schon, daß uns gestern so viel Silberzeug gestohlen worden ist?«
»In der That, gnädige Frau? Das bedauere ich ja unendlich!«
»Ja, denken Sie nur, wie ich die Löffel heute Morgen nachzähle – gestern Abend war ich so müde, daß ich die Augen nicht mehr aufhalten konnte...«
»Aber, liebe Mutter, das interessirt ja doch den Herrn Lieutenant nicht!«
»Bitte, mein gnädiges Fräulein, gewiß...«
»Siehst Du wohl, Kind – das wußte ich auch vorher. Wie ich also die Löffel heute Morgen nachzähle, fehlen richtig gerade vier von den allerschwersten und der Deckel von der silbernen Zuckerdose, mit einem Engel, einem Amor, massiv in Silber, oben drauf.«
»Aber wie ist das möglich?«
»Ja, das sage nun ein Mensch – bei dem Staatsanwalt – und dabei haben wir Polizei im Ort, und reitende Gensdarmen, und einen Stadtrath und Stadtverordnete! Aber ich will keinen Kopf wieder ruhig auf ein Kissen legen, bis ich die Räuberbande herausgefunden habe und die Kerle am Galgen sehe, denn den haben sie im reichsten Maß verdient! Der Deckel ärgert mich nur, und gleich vom ganzen Service weg; aber was macht sich so ein schlechter Mensch daraus, wenn er Einem ein Service verdirbt – die lachen noch darüber!«