»Was Du noch nicht einmal zu wissen scheinst.«

»Was ich aber von Herzen hoffe – dann, glaub' ich, wird sie sich auch nicht sträuben, ihre Einwilligung zu geben. In unserer Stadt besteht noch die alte Achtung vor dem Bürgerstande, und dem gehören wir so gut an, wie der Staatsanwalt Witte. Er ist eben so wenig adelig oder Baron, als wir, und wenn seine Frau wirklich daran dächte, ihr Kind Einem aus jenem Stande zu geben, so wäre der Sprung weit größer, als von uns zu ihr.«

»Ja,« sagte der Vater, »das klingt ganz vernünftig, ist aber nur einfach nicht wahr, weil Sitten und Gewohnheiten die ganze Geschichte gewöhnlich herumdrehen. Aber was kann's helfen – Du, als mein echter Sohn, hast natürlich gerade einen solchen Dickschädel, wie ich, und der muß erst ein paarmal irgendwo gegen rennen, ehe er gescheidt wird – also lauf'. Mit Vernunftgründen ist bei Dir doch nichts auszurichten, Du mußt durch Schaden klug werden.«

»Vater...«

»Es ist nicht anders – aber das Wetter warte erst ab, sonst kommst Du wie eine gebadete Maus als Brautwerber, und naß sieht ein Fisch recht hübsch aus, aber kein Mensch – der Guß kann ja doch nicht ewig dauern. Jesus, wie das noch regnet; wie dicke Seile kommt's von oben herunter, und auf der Straße könnte man beinahe mit einem Boote fahren – Herein!«

Der Ausruf galt einem starken und ganz entschiedenen Klopfen an der Thür, die sich auch gleich darauf öffnete und das uns wohl bekannte Gesicht der Madame Müller zeigte.

»Guten Tag Alle mitsammen!« sagte sie, ihren Regenschirm vorsichtiger Weise draußen lassend. »Jemine, meine Güte, ist das ein Wetter, und bei dem wird man herausgejagt, wo man so ruhig zwischen seinen vier Pfählen sitzen könnte! Ich werde mir wohl wieder den Tod an einem Schnupfen holen, denn aus den Schuhen hebt mich das Wasser bald heraus – bis an die Knöchel geht's Einem ja da draußen!«

»Madame Müller,« lachte Baumann, »so wahr ich lebe – na, Sie haben sich eine schöne Witterung zum Spazierengehen ausgesucht – aber kommen Sie doch nur herein! Sie wollen doch nicht in der Thür stehen bleiben?«

»Nein,« sagte Madame Müller mit einem Blick auf das reinliche Zimmer; »aber ich triefe nur so, und mein verwünschter blauer Kittel färbt ab – ich werde Ihnen einen blauen Streifen in's Zimmer bringen. So einen Regen hab' ich noch gar nicht erlebt; das ist ja ein wahrer Wolkenbruch!«

»Aber Sie sind doch nicht von Vollmers herein zu Fuß gegangen?« rief Frau Baumann, indem sie ihr behülflich war, das Tuch abzunehmen und aufzuhängen.