»Ich bin oft bei ihm gewesen, Mutter, besonders in der letzten Zeit, weil er selber große Freude an mechanischen Arbeiten fand, und ich ihm da oft aushelfen und ihn unterstützen mußte. Es war ein herzensguter, junger Bursche, auch voll Geist und Leben, und ich hatte ihn recht lieb gewonnen. Jetzt ist er todt,« setzte er leise hinzu, »und ich kann Euch gar nicht sagen, wie weh mir sein Tod gethan hat. Aber willst Du Dir nicht einmal die Maschine betrachten, Mutter? Du wolltest sie ja gern sehen, ehe ich sie fortbrächte, und ich bin gerade damit unterwegs.«
Die Frau nickte still und schweigend vor sich hin und trat mit zum Tisch; aber ihre Augen flogen über das Kunstwerk hin und starrten wie in's Leere.
»Siehst Du, wie hübsch sie arbeitet?« sagte Fritz. »Und so geht sie, ohne je aufgezogen zu werden, ununterbrochen fort, Jahr aus, Jahr ein. Jedesmal, wenn die Kugel diesen Punkt erreicht hat – aber Du achtest ja gar nicht darauf, Mutter – fehlt Dir denn etwas?«
»Nein, mein Kind,« versetzte die Frau; »nur im Kopf summt es mir so sonderbar, und – im Herzen thut mir etwas weh. Aber nimm es nur fort, ich verstehe ja doch nichts davon und sehe nur, daß es hin und her geht.«
Fritz mochte nicht weiter in sie dringen; er glaubte sicher, daß der heutige Vorfall bei Wittes sie so tief verletzt habe, und hütete sich deshalb wohl, noch einmal darauf zurückzukommen. Es wurde auch spät; im Zimmer fing es schon an zu dämmern, und der alte Salomon schloß immer, wie er recht gut wußte, sehr zeitig seinen Laden.
»Du willst fort, Fritz?«
»Ja, Vater, ich treffe den alten Mann sonst nicht mehr unten, und in seinem Hause weiß ich nicht Bescheid; auch sind die Wohnungen in der Judenstraße immer Abends fest verschlossen.«
»Dann komm aber auf dem Rückweg wieder vor und bleib' den Abend bei uns – ich lasse nachher Bier holen. Was sitzest Du so allein zu Hause?«
»Ja, Vater, ich werde kommen,« sagte der junge Mann, indem er die kleine Maschine wieder sorgfältig aufnahm – »also auf Wiedersehen, Mutter – Adieu, Else!« Und seine Mütze nehmend, verließ er die Stube und schritt auf die Straße hinaus.
Die Sonne mußte längst untergegangen sein, denn hier und da wurden schon die Lichter in den Läden angezündet. Fritz schritt deshalb auch wacker aus, um nicht zu spät zu kommen und den ganzen Weg umsonst zu machen, schnitt durch ein paar kleine Seitenstraßen und erreichte endlich die Judengasse, durch welche er jetzt so rasch als irgend möglich vorwärts eilte. Ueber die kleine Maschine hatte er nur sein Tuch gedeckt, damit nichts daran geschehen konnte.