»Ich? Ach, das Gott erbarm'!« stöhnte der Mann. »Hingesetzt hab' ich mich hier, um dem Herrn Major das Bein einzureiben; aber wie ich wieder in die Höhe kommen will, weiß der Himmel! Ich muß mir das Kreuz verrenkt haben, denn das wird mit jedem Tag ärger.«

»Und was fehlt Ihnen, Herr Rath?« fragte der Staatsanwalt, »denn ganz gesund können Sie doch unmöglich in diesem Lazareth sein.«

»Geistige Ruhe, verehrter Freund,« erwiederte Frühbach; »sonst, Dank dem Aepfelwein, den ich täglich trinke, und meiner steten Transspiration, nichts. Aber Sie sehen, ich habe mich pünktlich eingefunden.«

»Sehr wacker von Ihnen. Und Sie, Major, liegen wieder auf der Kante?«

Er hatte eigentlich recht. In der neulichen Aufregung schien der alte Herr, dessen Leiden überhaupt zum großen Theil nur eingebildet waren, seine ganze Krankheit vergessen oder wenigstens für den Augenblick beurlaubt zu haben. Jetzt aber, nach dem letzten verzweifelten Versuch, den er auch in der That als den letzten betrachten mußte, hatte er es aufgegeben, sein Ziel weiter zu verfolgen. Seine letzte Hoffnung war verschwunden, und mit dem Aufhören der Erregung trat, wie nach allen solchen Fällen, die gewöhnliche Abmattung ein, so daß er sich jetzt auf einmal kränker als je zu fühlen glaubte.

»Ja,« stöhnte er, »und das wird auch wohl der letzte Ruck sein, den die Krankheit thut; ich fühl's schon in den alten Knochen, lange kann das Elend nicht mehr dauern – o Gott! Christian, Esel – Er drückt mir ja den ganzen Knochen ein! Der Mensch arbeitet gerade so auf meinem Fleisch herum, als ob er ein Pferd striegelte. Setzen Sie sich, Staatsanwalt – wenn ich Jemanden lange stehen sehe, werde ich ganz nervös, denn ich fühle das Ziehen und Ausdehnen in meinen eigenen Gliedern.«

»Und Sie wissen, weshalb ich komme?« sagte der Staatsanwalt, indem er seinen Hut auf den Tisch stellte und der Einladung Folge leistete.

»Ja,« knurrte der Major, »der Rath da hat mir die ganze Geschichte erzählt, und ich wollte, daß der Teufel die Madame Müller und den – hm, verdammt, wenn ich so einen Brief unterschreibe!«

»Na, dann lassen Sie's bleiben,« sagte der Staatsanwalt, wieder von seinem Stuhl emporfahrend; »mir kann's recht sein, und nur Ihretwegen bin ich herausgekommen. Also Gott befohlen, Major, möchte hier nicht länger stören!«

»So bleiben Sie nur in's drei Teufels Namen sitzen!« schrie der Major. »Herr Gott, ärgern Sie mir nicht auch noch die Galle an den Hals – man muß doch erst über die Sache reden! Da, Christian, das ist genug, die Haut muß ja schon herunter sein, und das brennt wie Gift – macht, daß Ihr hinaus kommt, wir haben mit einander zu reden!«