»Nein, aber ich gehöre mit zu dem Fach – ich bin der Staatsanwalt.«
»Na, dann gehen Sie lieber mit in den Laden hinein, wo der alte Salomon liegt, bis ein Actuar oder sonst wer kommt,« sagte der Mann wieder.
»Aber, um Gottes willen, Herr Baumann, wie kommen Sie in diese Lage?«
»Ich hoffe doch nicht,« sagte Fritz, der todtenbleich geworden war, »daß Sie mich eines solchen Verbrechens fähig halten?«
»Nein, gewiß nicht!« rief Witte schnell.
»So, und weshalb wollte er denn da ausreißen und ist über und über blutig, he? – Ruhe, mein Bursche, das bitte ich mir aus; ob Du schuldig oder unschuldig bist, wird dann wohl die Polizei aus Dir herausdrücken, darauf verlaß Dich! Und jetzt machen Sie, daß Sie hineinkommen, damit Alles ordentlich zugeht! Es ist Niemand drin, wie ein Officier, und die wissen sich bei solchen Geschichten gewöhnlich nicht zu helfen.«
Das war allerdings richtig. Witte konnte auch hier im Augenblick, mit den näheren Umständen gar nicht bekannt, nichts helfen, und mußte den jungen Mann vor der Hand seinem Schicksal überlassen. Die Untersuchung stellte ja doch bald heraus, ob er schuldig wäre oder nicht.
9.
Die Untersuchung.
Als der Staatsanwalt Witte den düstern, unheimlichen Raum betrat, bemerkte er nur eine Anzahl dunkler Gestalten, die um einen auf dem Boden liegenden Gegenstand geschaart waren und von dem ungewissen Licht der Lampe mehr sichtbar gemacht als beleuchtet wurden. Mit dem Fuße stieß er dabei an einen klirrenden Körper, der am Boden lag, und als er ihn aufhob, fand er, daß es ein Sack mit Geld sei, den der Mörder hier jedenfalls auf der Flucht zurückgelassen. Die erste Person, die er, allerdings zu seinem Erstaunen, erkannte, war der Baron von Wendelsheim; denn er begriff nicht recht, wie dieser Abends noch so spät in die Judengasse kam, wenn ihn nicht auch vielleicht, wie ihn selber, der Zufall hier vorbeigeführt. Aber es war jetzt wahrlich keine Zeit dazu, um solche Betrachtungen anzustellen, und der Staatsanwalt, den gefundenen Beutel auf den Ladentisch stellend, trat näher zu der Gruppe, um vor allen Dingen den Zustand des gefallenen Opfers zu untersuchen.
»Ah, Herr Staatsanwalt,« rief Wendelsheim, als er ihn erkannte, »ein Glück, daß Sie kommen – hier ist ein schändliches Verbrechen verübt worden!«