Salomon lag auf dem Rücken, den rechten Arm noch wie zum Schutz gegen die wahrscheinlich nach ihm geführten Schläge vorgestreckt. Er war aber mit Blut ordentlich überdeckt, und sein Kopf zeigte, als der Actuar mit der Lampe hinabreichte, zwei klaffende Wunden, aber schon mit geronnenem Blute überklebt, so daß man ihre Tiefe nicht gut erkennen konnte. Die Untersuchung derselben mußte aufgespart werden, bis der Arzt kam.
Wendelsheim fühlte indessen seinen Puls, aber dort war kein Leben erkennbar, und die Hand selbst kalt und krampfhaft geballt: auch ein Heben der allerdings noch warmen Brust ließ sich nicht unterscheiden.
»Armer Salomon,« sagte der Actuar, indem er sich kopfschüttelnd aufrichtete – »schade um ihn, es war ein braver, rechtschaffener Mensch, und verwünscht viel besser als tausend Andere, die sich Christen nennen! Aber wir können jetzt nichts thun, meine Herren, als ihn liegen lassen, bis der Arzt kommt, indessen aber den Laden untersuchen – möglich ja doch, daß wir etwas finden, was der oder die Mörder zurückgelassen haben, um dadurch auf seine Spur zu kommen. Möchte einer von den Herren wohl so freundlich sein und die Lampe nehmen?«
Der Staatsanwalt machte den Actuar jetzt auf den Geldsack aufmerksam, den er an der Thür gefunden; es waren noch Blutspuren daran, und jedenfalls mußte der Mörder gestört sein, daß er den im Stiche gelassen. Der eiserne Geldschrank stand offen; was daraus geraubt worden, konnte man natürlich nicht wissen. Der Actuar stellte den Beutel wieder in den Schrank und verschloß ihn.
Sie untersuchten jetzt den Boden und fanden dicht vor dem Schrank die ersten Blutspuren. Der Angriff hatte dort jedenfalls begonnen und der alte Mann sich wohl gewehrt. Dort machte der Ladentisch eine kleine Biegung, um die herum das Opfer wahrscheinlich nach der Thür flüchten wollte, als es den zweiten Schlag erhielt und zu Boden taumelte.
Eine Waffe oder irgend ein Instrument, mit welchem die Streiche versetzt sein konnten, fand sich nirgends, eben so wenig irgend ein anderer Gegenstand, der einem Fremden gehört haben konnte. Nur ein Taschentuch lag vorn im Laden am Boden, das in der Ecke die mit Roth gezeichneten Buchstaben F. B. trug. Der Actuar steckte es in die Tasche.
Beim Herumleuchten bemerkten sie noch eine geöffnete Schublade, an der aber von außen der Schlüssel steckte; sie enthielt mehrere Gold- und Silbersachen. Es war möglich, daß der oder die Diebe gewußt hatten, wo sich werthvolle Gegenstände befanden, und auch daraus geraubt haben konnten. Das ließ sich vielleicht durch Salomon's Frau constatiren, wenn sie sich wieder erholen würde; heute Abend wohl kaum mehr.
In diesem Augenblick trat der erwartete Polizei-Arzt ein und untersuchte den Körper des Erschlagenen; aber es war hier unten nicht viel zu machen. Er glaubte noch Leben zu erkennen, aber so schwach, daß es auch jeden Moment wieder schwinden konnte, und wünschte deshalb, denselben hinauf in seine Wohnung geschafft und auf ein Bett gelegt zu haben. Dort sollte dann auch in Gegenwart der Leiche das erste Verhör stattfinden.
Der Actuar ging jetzt hinaus an das Hofthor, vor dem die Menschen noch immer dicht gedrängt standen, und forderte Einzelne, die Näheres über das Verbrechen anzugeben wüßten, auf, hereinzukommen. Es meldeten sich aber nur zwei oder drei, die »etwas gesehen haben wollten.« Sie wurden herein beordert und dann gleich mit dazu verwandt, um den leblosen Körper des alten Mannes nach oben zu tragen.
Der Lieutenant, der zurückgekehrt war, nahm wieder die Leitung, und während er langsam mit der Lampe voranging, verschloß der Actuar zuerst die Ladenthür und ließ dann noch einen Augenblick den Zug halten, um zuerst einen Streifen Papier über das Schloß zu siegeln, damit Niemand den Platz betrete, bevor morgen, mit Tageslicht, eine genaue Untersuchung desselben stattgefunden hätte.