Staatsanwalt Witte beobachtete Beide scharf, während sie mit einander sprachen, und es hätte auch wahrlich nicht des Auges eines Juristen bedurft, um zu sehen, mit wie liebevoller Theilnahme des Barons Blick an den Zügen des Mädchens hing, wie vertrauend, wie gut sie zu ihm aufsah. Der Actuar glaubte aber seine Zeit indessen nicht unnütz versäumen zu dürfen, und sich im Zimmer umschauend, bemerkte er bald einen Tisch, auf welchem ein Schreibzeug stand – Papier wie alles Nöthige führte er überdies bei sich –, und er befahl jetzt, den Gefangenen herauf zu führen, und ließ die Leute, die sich als Zeugen gemeldet hatten, ebenfalls an die Thür treten. Um das Verhör kümmerte sich der Arzt nicht, der sich nur immer mit dem Verwundeten beschäftigte, während ihm Rebekka hülfreiche Hand dabei leistete. Wohl schnürte es ihr das Herz zusammen, und sie mußte sich ordentlich Gewalt anthun, um nicht in Klagen auszubrechen, als sie die furchtbaren Wunden sah, die des Mörders Waffe dem Vater geschlagen; aber kein Laut kam über ihre Lippen, und mit sorgsamer, nicht einmal zitternder Hand wusch sie das Blut von dem theuern Haupt und küßte dann die bleiche, kalte Stirn.
Fritz Baumann wurde jetzt hereingeführt, und mit Entsetzen hingen des Mädchens Blicke an dem edlen, aber jetzt bleichen Antlitz des jungen Mannes. Das war der Mörder? O, um Gott, was hatte er ihm gethan, daß er die blutige Faust gegen den armen schwachen alten Mann erheben sollte?
»Wer sind Sie und wie heißen Sie?« fragte der Actuar, der sich an seinem Tisch festgesetzt hatte und die Sache amtsmäßig zu betreiben begann.
»Mein Name ist Friedrich Baumann,« lautete die eben nicht sehr freundlich gegebene Antwort; »ich bin Mechanikus in hiesiger Stadt.«
»Schon einmal vor Gericht gestanden?«
»Nein.«
»Was hatten Sie heute Abend noch nach Dunkelwerden hier im Gehöft und im Laden des alten Salomon zu thun?«
»Ich habe ein Werk zurückgebracht, das ich für ihn reparirt hatte, fand aber den Laden schon verschlossen und sah nur eben noch in der Dämmerung, daß ein Officier vor mir den Hof betrat. Da ich demnach vermuthete, den alten Salomon noch im Laden zu finden, folgte ich ihm und fand auch die Ladenthür nur angelehnt und Licht im Innern. Wie ich aber den Platz eben betreten wollte, sprang eine dunkle Gestalt gegen mich an und floh zum Hofe hinaus. Ich hielt das Werk, das jetzt unten auf dem Tisch steht, noch in der Hand und war auch in dem Moment zu überrascht, um dem Flüchtigen gleich zu folgen, that aber dann, was ich für den Augenblick thun konnte. Im Laden sah ich den unglücklichen alten Mann am Boden liegen, und das Schlimmste fürchtend, sprang ich hinaus, fand die Hausthür verschlossen, klopfte dort scharf an und sprang dann vor das Thor, um Hülfe herbei zu holen, als ich von diesen Männern gefaßt und gehalten und selber des Mordes beschuldigt wurde.«
»Und wie kommt das Blut an Ihre Hände und Kleider?«
»Ich wollte den Erschlagenen aufrichten, fand aber bald, daß das unmöglich sei.«