»Hat sich Ihre Frau Mutter wieder erholt?« fragte der Staatsanwalt jetzt, der ihr unwillkürlich näher getreten war. »Der plötzliche Schreck machte eine Ohnmacht ja natürlich.«
»Ich danke Ihnen,« sagte Rebekka leise, »sie ist wieder erwacht – o, dieser entsetzliche Abend!«
»Und haben Sie keine Vermuthung, wer der Thäter sein könne?« fragte der Actuar wieder.
»Keine,« hauchte das junge Mädchen, traurig mit dem Kopf schüttelnd; »mein Vater war ja so gut und brav, er hat keinem Menschen je ein Leides gethan – sie haben ihn nur berauben wollen.«
»Und wissen Sie nicht, ob in letzter Zeit vielleicht irgend Jemand häufiger als sonst in den Laden gekommen wäre?«
»Ich betrete den Laden nie oder doch nur so selten, daß ich es nicht weiß. Selbst die Mutter kommt nicht hinunter.«
»Hm – nun, wie steht es, Doctor?«
»Dürfte ich um etwas lauwarmes Wasser und einen Schwamm bitten?«
Es wurde rasch gebracht, und der Arzt ging jetzt daran, die Wunden sorgsam auszuwaschen und zu untersuchen.
Wendelsheim hatte indessen leise mit Rebekka gesprochen und sie gebeten, das Zimmer zu verlassen. Er selber glaubte fest, daß der alte Mann todt sei, und wollte ihr wenigstens den Schmerz der unmittelbaren Entdeckung ersparen. Rebekka weigerte sich aber; sie wollte das Entsetzliche selber hören – sie war gefaßt, wie sie sagte, und fürchtete keine Schwäche.