»Ich wollte der Familie, mit der ich befreundet bin,« sagte Wendelsheim ernst, aber entschieden, »eine Trauernachricht mittheilen, die mich heute betroffen hat – den Tod meines Bruders.«
»Der junge Baron Benno ist gestorben?« rief Witte rasch. »Ach, das thut mir wirklich recht leid um Sie Alle!«
»Ja,« sagte Wendelsheim leise, »es war ein schwerer Verlust, obgleich wir Alle schon lange darauf vorbereitet sein mußten.«
»In so jugendlichem Alter! Wie alt war Ihr Herr Bruder?«
»Noch nicht achtzehn Jahre.«
»Er lebt! Er lebt!« jubelte da plötzlich Rebekka, die neben dem Bett des Vaters gekniet und ihr Ohr an sein Herz gelegt hatte – was kümmerten sie die Fragen des Beamten!
»Es ist allerdings noch Leben vorhanden,« nickte der Arzt, »und die Wunden – wenn nicht im Innern der Hirnschale mehr Unheil angerichtet ist, als man von außen beurtheilen kann – sehen auch nicht gerade zu bösartig aus, wenigstens nicht so, um Ihnen jede Hoffnung zu rauben.«
»Er lebt, Doctor?« rief aber auch jetzt der Actuar. »Das allerdings würde die Untersuchung sehr erleichtern, wenn wir erst seine Aussage bekommen könnten!«
»Aber doch nicht heute Abend, Herr Actuar,« sagte der Arzt ruhig. »Ich muß überhaupt die Herren bitten, dieses Zimmer jetzt zu verlassen, damit der Verwundete kein Geräusch mehr hört und, wenn er ja schneller, als ich vermuthe, seine Besinnung wieder erhält, nicht erschrickt – ich stehe sonst für nichts.«
»O, er lebt! Er lebt!« jauchzte Rebekka leise vor sich hin, und wie ihrer selbst unbewußt, lehnte sie ihre Hand auf den Arm des jungen Officiers und schaute mit strahlendem Antlitz zu ihm auf.