Der alte Staatsanwalt nickte still vor sich hin mit dem Kopf, aber der Arzt drang jetzt entschieden auf Räumung des Zimmers. Der Kranke mußte Ruhe bekommen, und nur die Tochter sollte bei ihm bleiben. Er selber versprach aber, vor Mitternacht noch einmal nachzusehen, wie es ginge – er hatte noch einige Krankenbesuche zu machen und durfte die nicht vernachlässigen.
Der Lieutenant von Wendelsheim zögerte, mitzugehen. Der Staatsanwalt faßte ihn aber am Arm und sagte: »Kommen Sie einen Moment mit uns in ein anderes Zimmer oder auf den Hof, Herr Lieutenant. Ich habe den Herren einen Vorschlag zu machen, bei dem ich Sie ebenfalls betheiligt wünsche; Sie können ja nachher immer wieder zurückgehen.«
»Einen Vorschlag? Welchen?« fragte der Actuar.
»Bitte – unten; hier nichts weiter. Mein liebes Fräulein,« wandte er sich dann an Rebekka, »fassen Sie guten Muth; vielleicht und hoffentlich wird das Schwerste noch von Ihnen abgewandt. Seien Sie aber versichert, daß wir den innigsten Antheil an Ihrem Schicksal nehmen, und was geschehen kann, jene verruchten Buben, welche die That verübt, zur Strafe zu bringen, soll gewiß geschehen.«
»Aber jener junge Mensch hat meinen Vater doch gewiß nicht geschlagen,« sagte Rebekka mit tiefer Wehmuth im Ton.
»Ich bin fest davon überzeugt, daß er es nicht gethan hat,« bestätigte der Staatsanwalt; »doch das wird die Untersuchung bald ergeben.«
»Und bedenken Sie, daß Sie heute den Laden nicht mehr betreten dürfen,« sagte der Actuar; »er ist versiegelt.«
»Gott soll mich behüten, daß ich den Schreckensort in der Nacht betrete!« sagte das Mädchen zurückschaudernd.
»Kommen Sie, meine Herren, kommen Sie,« drängte der Arzt. »Der Kranke regt sich – ich mache Sie sonst für die Folgen verantwortlich« – und die drei Männer vor sich her schiebend, verließ er mit ihnen das Gemach.
»Und was wollten Sie uns sagen, Herr Staatsanwalt?« fragte der Gerichtsbeamte, als sie unten im Hof zusammenstanden, während der eine Polizeidiener noch draußen am Hofthor Wache hielt. Die alte Magd war mitgegangen, um hinter ihnen das Thor zuzuschließen.