»Gott der Gerechte, und so ein Mann – waih geschrieen!« tönte es von vielen Seiten. »Und die Mörder?«
»Werden ihrer Strafe nicht entgehen, verlaßt Euch darauf; eine so nichtswürdige That soll nicht ungeahndet hingehen.«
»Was ist der mehr,« sagte ein alter Israelit, der daneben stand; »werden sie ihm auch nicht viel thun – war es doch blos ein Jud', der alte Salomon!«
»Er war ein Mensch, und wer Menschenblut vergießt, deß Blut soll wieder vergossen werden. Aber jetzt geht nach Hause – Ihr seht, das Thor ist geschlossen, und Ihr könnt durch unnöthigen Lärm nur noch die Familie beunruhigen, die so schon Schmerz und Sorge genug hat.«
Das half. »Jawohl, jawohl!« riefen die Meisten, und wenig Minuten später war die Straße menschenleer.
10.
Verschiedene Eindrücke.
In Baumann's Haus, im Stübchen neben der Werkstatt, saß die Familie beim Abendbrot; aber der sonstige fröhliche Ton herrschte heute nicht in dem kleinen Kreise. Der Alte selber war ernst oder doch wenigstens nachdenkend und sprach nicht viel, und an wen er eigentlich die Zeit über gedacht hatte, verriethen die wenigen Worte, denen er endlich Laut gab.
»Jetzt kommt er nicht mehr,« sagte er, während er sein leergetrunkenes Glas wieder mit Bier füllte; »es muß schon lange neun Uhr vorbei sein. Er ist jedenfalls nach Hause gegangen und hat sich zu Bett gelegt.«
»Zu Hause ist er nicht, Vater,« meinte Karl; »ich war vorhin drüben bei ihm und wollte mir ein Stück Werkzeug borgen, aber der Schlüssel lag, wie gewöhnlich, wenn er ausgegangen ist, unter der Strohdecke.«
»Er sollte auch etwas Gescheidteres thun, als ihn dahin legen,« sagte die Mutter; »den Platz kennen die Diebe auch, und es ist schrecklich, was in letzterer Zeit wieder in Alburg gestohlen wird.«