»Ich will's ihm wünschen,« brummte der Mann – »aber wir sind ganz von dem abgekommen, was ich Dich vorhin fragte. Also Du kannst mir nicht sagen, was Dir auf dem Herzen liegt, Mutter? Du hast zu mir kein Vertrauen?«
»Kein Vertrauen zu Dir, Gottfried?« sagte die Frau herzlich. »Weiß ich denn nicht in den langen, langen Jahren, wie gut und treu und ehrlich Du es mit mir meinst, und hab' ich je Ursache zu einer Klage gegen Dich gehabt? Ach, Gottfried, Du bist der beste Mann, den es auf der Welt nur geben kann, und Alles, was mich niederdrückt und manchmal so weh und traurig stimmt, ist nur das Gefühl – nie solch ein Glück verdient zu haben.«
»Unsinn,« sagte der Schlossermeister halb verlegen; »Du redest gerade, Alte, als ob Du in mich verliebt wärst und mich zum Mann haben wolltest. Ein Glück, daß Niemand da ist, der uns hört; er müßte sonst Wunder glauben, was Du an mir hättest. Aber das weiß ich denn doch besser...«
Er horchte auf, denn draußen am Laden wurde gepocht. Die Werkstätte war schon verschlossen, und durch die in die Fensterläden eingeschnittenen herzförmigen Löcher konnte man von außen sehen, daß noch Licht im Zimmer war.
»Holla,« sagte der alte Baumann, »kommt da noch Besuch? Wer ist da?«
»Ich bin's, Meisterchen,« antwortete eine feine Stimme; »machen Sie nur einmal auf.«
»Ja, ich bin's, das kann ein Jeder sagen,« brummte der Schlosser.
»Das muß die Volkert, des Schneiders Frau, sein – unsere Nachbarin,« sagte die Mutter.
»Sind Sie das, Frau Volkert?«
»Ja, Meisterchen; ich habe Ihnen eine wichtige Neuigkeit zu bringen.«