»Na, also dann heraus mit der Sprache, Mutter,« lachte Baumann; »es drückt Dich 'was – ich seh's Dir an, und wenn ich der Sache nur erst einmal auf den Grund komme, wollen wir auch schon Rath schaffen.«

»Ja, aber was soll ich Dir denn sagen?« klagte die Frau; »ich weiß es ja selber nicht. Nur so ein dumpfes Gefühl liegt mir auf dem Herzen.«

»Hm,« brummte der Schlossermeister, »das ist genau so wie damals, als wir noch nicht lange verheirathet waren und bald nach der Geburt des einen Jungen – war's der Fritz oder Karl? – da machtest Du dieselben Geschichten, und wie lange dauerte das, und wie hab' ich mich damals gesorgt, und nachher war's doch nichts. Nach und nach wurde es besser, und alle Deine Ahnungen, wie Du's damals auch nanntest, fielen in den Sand.«

Die Frau nickte leise mit dem Kopf, und Baumann fuhr nach einer Weile fort:

»Aber ich weiß schon, wo das herkommt. Deine Schwester, die Heßberger, hat die ganze Zeit den Kopf voll solcher Schrullen, und mit ihrem Kartenlegen und Prophezeien bildet sie sich am Ende selber ein, daß sie 'was wüßte; und ein Wunder wär's nicht, wenn sie so viele Gänse findet, die's ihr glauben – und die hat Dich angesteckt. Mit all' ihren überirdischen Ideen und Einbildungen macht sie die Leute rein verrückt, und wenn man die ganze Geschichte bei Lichte besieht, so ist's nichts als Schwindel und blauer Dunst. Mir ist die Verwandtschaft auch schon lange leid, und ich war froh, daß Ihr nicht mehr zusammenkamt; heute Nachmittag war sie aber wieder ein paar Stunden da, und von der hast Du Dich auch nur beschwatzen lassen.«

»Ach, Gottfried, Du magst einmal die Schwester nicht leiden, und sie hat's doch so gut mit mir gemeint!«

»Das ist möglich,« sagte der Schlossermeister kopfschüttelnd, »aber wenn's wirklich so ist, jedenfalls verkehrt angefangen. Mit ihren verdammten Schrullen sollte sie zu Hause bleiben, und der – na, ich will Dir nicht weh thun, Alte, aber unser Schwager – wenn ich den verfluchten Kerl mit seinem »Gelobt sei Jesus Christus« nur sehe, wird mir schon steinübel.«

»Es ist ein seelensguter Mensch,« sagte die Frau, »und er thut meiner Schwester, was er ihr an den Augen absehen kann; er hat freilich seine Eigenheiten, und mir wär's auch lieber, wenn er nicht so viel in die Kirche ginge und den lieben Gott immer im Munde hätte. Aber es ist einmal seine schwache Seite, und wenn er sonst brav und fleißig ist, so haben wir doch gewiß keine Ursache, uns über ihn zu beklagen.«

»Meinetwegen,« brummte der Schlossermeister, »ich habe nichts dagegen; wenn Deine Schwester mit ihm auskommt, mir kann's ja recht sein. Aber mein Mann wär's nicht, und ich weiß auch, daß er mich nicht leiden kann – was ich ihm eben nicht besonders verdenke, denn viel freundliche Worte hat er von mir noch nicht gehört.«

»Du thust ihm gewiß Unrecht, Gottfried.«