»Wollen Sie den Strauß nicht aufheben?« sagte sie mit vor innerer Bewegung fast erstickter Stimme.

Der Rittmeister bückte sich, aber er tat es wie in einem Traume, und die Blumen aufgreifend, hielt er sie fast bewußtlos seiner Nachbarin hin.

»Sie befehlen, Komtesse?«

»Ich danke Ihnen, Herr Graf!« erwiderte jedoch die junge Dame mit so auffallender Kälte im Tone, daß Graf Geyerstein erstaunt sie ansah. »Die Blumen sind ohne Zweifel dorthin gelangt, wohin sie bestimmt waren, und ich möchte Sie derselben nicht berauben – würde ich überhaupt etwas annehmen, was einer – Kunstreiterin zugeworfen ist.«

»Komtesse?«

»Sie haben jetzt Gelegenheit, Ihr Bukett wieder zu verwerten,« sagte das schöne und, wie es schien, beleidigte Mädchen. In der Tat erschien Georgine in diesem Augenblick wieder auf den donnernden Hervorruf der Menge, während ihr aufs neue von allen Seiten Blumen entgegenflogen. Graf Geyerstein war aber durch die Worte Melanies so überrascht worden, daß er das Bukett unschlüssig in der Hand behielt, bis die schöne Reiterin die Arena verlassen hatte.

Wieder sprang jetzt der Bajazzo mit seinen gliederverrenkenden Künsten in die Arena, nachdem die Bahn vorher von den hineingeworfenen Blumen gesäubert worden, und zwei andere junge Damen, Mademoiselle Amelie und Leontine, waren ebenfalls noch in dem Programm angeführt. Komtesse Melanie hatte durch den Lärm der Trompeten Kopfschmerzen bekommen, und obgleich sich die jüngere Schwester dem nur ungern fügte, bat doch die Mutter den Grafen, ihren Wagen vorfahren zu lassen. Zehn Minuten später verließ die Familie des Kriegsministers von Ralphen, vom Grafen Geyerstein natürlich begleitet, den Zirkus, um nach Hause zurückzukehren.

3.

Der nächste Tag war ein Sonntag. Reges, bewegtes Leben herrschte in der Residenz, wo einesteils die gerade abgehaltene Messe eine Menge von Landleuten und Fremden in die Stadt gelockt hatte, während zugleich, zur Geburtstagsfeier des Fürsten, große Parade abgehalten wurde. Equipage um Equipage fuhr langsam durch das Gedränge der Straßen, dem Landesherrn zu diesem Tage die Glückwünsche des Hofes und der Beamten, ja des ganzen Volkes zu bringen. Der Rittmeister von Geyerstein sah sich den Morgen über durch seinen Dienst teils auf der Parade, teils bei Hofe gefesselt und kam erst gegen zwei Uhr nach Hause, während er um fünf schon wieder zur Tafel befohlen worden. Zum nicht geringen Erstaunen seines Burschen kleidete er sich aber, so wie er zurückkehrte, um und in Zivil, und während dieser, immer dabei mit dem Kopfe schüttelnd, die verschiedenen nötigen Gegenstände herbeibrachte, sagte sein Herr: »Hast du mir die Wohnung gefunden, wie ich dir aufgetragen, Karl?«

»Zu Befehl, Herr Rittmeister – die von dem Seiltänzer, meinen Sie doch?«