»Landgrafenplatz!« und fort klapperte das Fuhrwerk, der bezeichneten Richtung zu.

Am Landgrafenplatz angekommen, schaute der Kutscher in das vordere Fenster hinein, zu erfahren, ob er sich rechts oder links halten müsse. Eine Handbewegung des Fahrenden wies ihn zurecht, und in der Nähe der kleinen Straße angekommen, stieg der Rittmeister aus. Er wollte nicht vor dem Hause mit dem Wagen halten. Den bezeichneten Platz fand er ohne alle Schwierigkeit. Die Beschreibung des Burschen war genau gewesen, und er betrat gleich darauf einen dunkeln, schmutzigen Hausflur, in dem sich nur ein paar Pferdeknechte herumtrieben und mit dem hindurchgehenden Hausmädchen schäkerten. Einige Schwierigkeit hatte es, die Treppe in den zahlreichen Einschnitten des alten Gebäudes zu finden, die zu ebenso vielen Keller- oder Stubentüren, bald mit Stufen abwärts, bald aufwärts, führten. Endlich fand er aber die schmale, hölzerne Stiege, der er, ohne weiter jemandem zu begegnen, bis in die zweite Etage folgte. Die ihm von seinem Burschen bezeichnete erste Türe rechts trug eine daran geheftete Visitenkarte, und als er näher trat, las er die mit feiner, zierlicher Schrift gestochenen Worte: »George Bertrand.«

»Georg,« flüsterte der Rittmeister leise vor sich hin, und zögernd, unschlüssig hob sich seine Hand nach dem Drücker. Sollte er anklopfen? – aber die Zeit verging, und im nächsten Augenblicke tönte ihm schon ein lautes »Herein!« aus dem Zimmer entgegen.

Ohne sich länger zu besinnen, öffnete er die Türe und überraschte hier eine Dame, die sehr ungeniert und in tiefstem Negligé auf dem Sofa lag, auch nur langsam den Kopf nach dem Eintretenden umdrehte. Kaum aber erkannte sie, daß es ein Fremder sei, als sie auch blitzschnell aufsprang und wie ein Schatten durch die dicht daneben befindliche Türe huschte. Verlegen, hier so gestört zu haben, sah sich der Rittmeister im Zimmer um und entdeckte jetzt erst in der anderen Ecke, dicht am Fenster, noch eine andere Persönlichkeit, einen älteren Mann, der ihn mit eben nicht freundlichem Blick und etwas vorgebogenem Kopfe über eine Klemmbrille hinüber betrachtete.

»Suchen Sie jemanden?« fragte er dabei mit heiserer Stimme.

»Herrn Bertrand. Ist er zu Hause?«

»Nein.«

»Wann kann ich ihn treffen?«

»Weiß ich nicht. Was wollen Sie?«

»Ich möchte ihn sprechen.«