Da streckte der Graf die Arme nach ihm aus.
»Georg,« sagte er mit vor innerer Bewegung fast erstickter Stimme – »Bruder Georg!«
Monsieur Bertrand rührte sich nicht. Er hatte die Zähne aufeinander gebissen und sah fest und ernst in die Züge des Grafen, aber es war nur ein Moment, im nächsten warf er sich an seine Brust, und die beiden Männer hielten sich stumm und schweigend Herz an Herz in eiserner Umarmung fest umschlossen.
»Ich hatte keine Ahnung, dich hier in ***schen Diensten zu finden,« flüsterte endlich Georg, als er sich langsam, die Augen von Tränen gefüllt, wieder emporrichtete.
»Ich erkannte dich auf den ersten Blick, wie ich dich die Straße niederreiten sah,« erwiderte der Rittmeister, »aber, Georg, um Gottes, um unserer Ehre willen, welchen Lebensweg hast du gewählt? Was konnte dich in diese Bahn schleudern?«
»Wir sind allein?« sagte Georg, während er einen Blick nach der Türe warf.
»Vollkommen und ungestört. Mein Bursche ist fort; außerdem weiß er, daß er nicht horchen darf. Setze dich hierher zu mir.«
Georg zögerte einen Augenblick, dann legte er seinen Hut ab und ließ sich still neben dem Bruder nieder, der seine Hand ergriff und bittend sagte: »Jetzt sprich, Georg – gestehe mir alles – alles, was geschehen ist, schütte dein ganzes Herz in meine Brust aus, und laß mich dann Mittel und Wege finden, dir zu helfen, dich zu retten.«
»Mich zu retten?« lächelte aber Georg bitter vor sich hin, »das ist vorbei – zu spät, und ich glaubte auch die Vergangenheit schon fest und sicher abgebrochen, glaubte mit der Welt und meinem früheren Namen abgeschlossen zu haben, als deine Karte gestern all' diese Hoffnungen und Pläne mit einem Schlage über den Haufen warf.«
»Und so lange bist du schon nach Deutschland zurückgekehrt, ohne selbst mir ein Lebenszeichen zu geben!« sagte Wolf vorwurfsvoll.