»Warte noch einen Augenblick, ich bin noch nicht fertig,« lautete die Antwort. »Hat noch niemand nach mir gefragt?«

»Noch nicht, Herr Rittmeister.«

»Ich werde dich rufen, wenn ich dich brauche.«

Der Bursche schloß die Tür wieder, und der Rittmeister setzte mit untergeschlagenen Armen seinen unruhigen Spaziergang fort. Es schlug halb neun, da klingelte draußen die Vorsaaltür, und der Rittmeister zuckte zusammen. Er blieb stehen und horchte; draußen wurden Stimmen laut, und gleich darauf trat Karl ein und überreichte ihm eine Karte, die den einfachen, außerordentlich fein darauf gestochenen Namen trug »Georg Bertrand.«

»Es ist gut,« sagte der Rittmeister, »laß – laß den Herrn eintreten – aber warte. Hier, nimm das gleich mit fort: diese beiden Briefe auf die Post – diese Bücher hier kommen zum Buchbinder, und hier die Koppel trägst du zum Sattler und läßt dir eine andere Schnalle für die gebrochene ansetzen. Du magst gleich darauf warten.«

»Zu Befehl, Herr Rittmeister.«

»Also bitte den Fremden, einzutreten, und halte dich nicht länger auf, als nötig ist.«

Der Bursche verschwand wieder, gleich darauf öffnete sich aufs neue die Tür und schloß sich hinter dem eingetretenen Fremden, der mit leiser, aber fester Stimme und leichter Verneigung sagte: »Sie haben gewünscht, mich zu sprechen, Herr Graf.«

Graf Geyerstein stand der hohen, männlichen Gestalt des Kunstreiters Bertrand gegenüber, aber er antwortete keine Silbe. Totenbleich sah er dabei aus; jeder Tropfen Blut hatte seine Wangen verlassen, und nur seine Blicke hafteten fest, ja stier auf den Zügen Bertrands.

»Sie haben gewünscht, mich zu sprechen, Herr Graf,« wiederholte der Kunstreiter endlich – aber noch leiser als vorher.