»Grobian!« murmelte dieser, als er langsam die Treppe hinunterstieg, um die übrigen Einladungen auszuführen.
7.
Die Salons Seiner Exzellenz des Kriegsministers von Ralphen waren festlich erleuchtet, und eine kleine, aber ausgewählte Gesellschaft wurde erwartet. Es war dreiviertel auf Acht, und die Wirtin revidierte, schon in voller Toilette, noch einmal selber die befohlenen Anordnungen, während geschäftige Diener hin und wieder flogen, neu bestimmte auszuführen. Auf den beiden Spieltischen hatte man noch die Whistmarken vergessen, und der eine Bediente war hinauf zu Seiner Exzellenz gesandt worden, sie von dessen Kammerdiener herbeizuschaffen. Aber er hielt sich länger unterwegs auf, als eigentlich nötig gewesen wäre, denn er traf auf der Treppe Annette, Komtesse Melanies Zofe – allerdings in eben solcher Eile wie er selber.
»Lassen Sie mich los, Herr Franz,« sagte das junge Mädchen, indem sie einen, wenn auch schwachen Versuch machte, die Hände des galanten Lakaien von ihrer Taille zu entfernen, »das gnädige Fräulein wartet auf mich, und wenn ich so lange ausbleibe...«
»Nur einen einzigen Kuß, teuerste Annette!« bat Herr Franz in jugendlicher Kühnheit, und, vom Augenblick außerdem gedrängt, gleich zur Sache kommend.
»Sie sind nicht gescheit,« sagte Annette erzürnt, »und hier, auf der Treppe!«
»Nur einen einzigen!«
»Lassen Sie mich los – ich will nicht – wahrhaftig, ich schreie!«
»Und wenn ich nun eine höchst merkwürdige und interessante Neuigkeit für Sie hätte?« sagte Herr Franz, in dem Gefühl, daß ein Dienst des anderen wert sei, ohne jedoch ihrer Drohung nachzugeben.
»Ja – Ihre Neuigkeiten kenn' ich!« rief die Schöne, »sie hat wahrscheinlich schon in der Zeitung gestanden – lassen Sie mich los!«