»Den Kampf, mein gnädiges Fräulein?«
»Ah, stellen Sie sich nicht, als ob Sie nicht verständen, was ich meine,« rief die Dame rasch, »wir haben hier auch keine Zeit durch Aufklärungen zu versäumen. Sie müssen doch sehen, daß jener Russe Sturm auf Melanies Herz läuft.«
»Und glauben Sie nicht, daß die Festung stark genug sein wird, sich zu halten?« sagte der Rittmeister lächelnd, während aber doch ein ganz eigenes Weh sein Herz durchzuckte.
»Nein!« rief das Fräulein rasch und entschieden, wenn auch noch immer mit unterdrückter Stimme. »Sie sind entweder erschrecklich leichtsinnig oder erschrecklich – zuversichtlich, wenn Sie die Gefahr nicht sehen wollen, die Ihnen droht.«
»Aber woher auf einmal diese Teilnahme für mich, mein gnädiges Fräulein?« sagte der junge Mann mit viel größerer Ruhe, als Fräulein von Zahbern wohl erwartet haben mochte.
»Aus Patriotismus. Ich hasse die Russen, und diesen Russen...«
»Vor allen anderen?«
»Nein – ärgern Sie mich nicht – diesen Russen gönne ich eben Melanie nicht. Die ganze Stadt weiß ja doch, daß Sie für sie schwärmen.«
»Die ganze Stadt weiß oft mehr von uns, als wir selber wissen,« sagte der Graf trocken.
»Mehr wenigstens, als uns oft lieb ist,« ergänzte das gnädige Fräulein mit einem bezeichnenden Blick auf den Rittmeister selber, der jedoch an diesem machtlos abglitt. »Sie aber, Herr Graf,« setzte sie dann, als sie es bemerkte, hinzu, »sind mir ein vollkommenes Rätsel und entweder der – durchtriebenste oder der unschuldigste Mann, dem ich in meinem ganzen Leben begegnet bin.«