»Aber, bester Papa...«
»Und du, Euphrosyne, bist nicht um ein Haar besser als die andern!« rief der alte Haudegen.
»Aber du gebrauchst solche incroyable Ausdrücke, Papa!«
»Larifari! Ich nenne das Kind beim rechten Namen.«
»Komtesse, ich habe den ganzen Abend bis zu diesem Augenblicke vergebens eine Gelegenheit gesucht, Sie begrüßen zu können,« wandte sich Graf Geyerstein an Melanie – diesen Augenblick benutzend, wo die Aufmerksamkeit der übrigen auf den General und seine Tochter gerichtet war.
»Ich bin sehr erfreut, Sie nach so langer Zeit wieder einmal bei uns zu sehen,« erwiderte die junge Gräfin mit einer artigen, aber kalten Bewegung des Hauptes.
»Wenn Sie wüßten...«
»Wie beschäftigt Sie die letzte Zeit gewesen?« unterbrach ihn Melanie, und fast unwillkürlich suchte ihr scharfer, forschender Blick sein Auge. Ruhig jedoch, nur mit einem leisen, fast schmerzlichen Ausdruck begegnete es dem ihrigen. Sie wandte sich rasch ab und fuhr fort: »Ich kann es mir denken, und Sie sind vollkommen entschuldigt. – Aber kommen Sie, Herr Graf,« redete sie in demselben Augenblicke den jungen Russen an, »ich versprach Ihnen vorhin die russische Volkshymne – Luise soll sie uns spielen – es ist ein Genuß, sie zu hören.«
»Es ist auch eine der schönsten Melodien, die es gibt,« sagte der Graf, die letzten Worte falsch verstehend, »und Sie machen mich unendlich glücklich, Komtesse, daß Sie ein solches Interesse an unserer Nationalhymne nehmen.«
Melanie verneigte sich leicht gegen den Grafen Geyerstein, legte dann ihre Hand in den ihr gebotenen Arm des jungen Russen und schritt an seiner Seite dem anderen Salon zu, in dem der Flügel aufgeschlagen stand.