»Zwischen uns, Herr Graf?« unterbrach ihn, wie erstaunt, Melanie, die durch die Worte rasch zu sich selbst gerufen wurde.

»Stoßen Sie mich nicht so ungehört zurück,« fuhr der Rittmeister, der jetzt einmal das Eis gebrochen hatte, fort. »Womit ich Sie beleidigt oder gekränkt haben mag, ich weiß es nicht – wissentlich nicht, beim ewigen Gott, und nur ein Mißverständnis kann es deshalb sein, was Sie in diesen Tagen mir entfremdet hat. Sehen Sie mich nicht so stolz an, Melanie, Sie waren sonst so offen, so ehrlich gegen mich – o, lassen Sie die Zeit, die liebe, liebe Zeit, nicht so mit einem Schlage abgebrochen sein. Sagen Sie mir, was ich getan, was ich verbrochen habe, gestatten Sie mir dann, daß ich mich verteidige.«

»Was Sie getan, Herr Graf,« erwiderte Melanie, der bei der Erinnerung alles dessen, über das sie Ursache zu haben glaubte – gerechte Ursache – zu zürnen, das Blut mit voller Macht in Wange und Schläfe strömte, »ich glaube nicht, daß es mir zusteht, Sie über irgend etwas, was Sie getan haben könnten, zur Rede zu stellen. Hätten Sie es für gut gefunden, mich irgend eines Schrittes wegen, den Sie zu tun gedachten, um Rat zu fragen, wäre es vielleicht etwas anderes, doch so...«

»O, weichen Sie mir nicht aus,« bat Geyerstein in herzlichem Tone und von der Gewalt des Augenblicks hingerissen, »Melanie Sie müssen wissen, wie mein Herz...«

»Herr Graf – nicht weiter, wenn ich bitten darf,« unterbrach ihn plötzlich mit ernstem, strengem Tone die junge Gräfin, indem sie sich zu ihrer vollen Höhe stolz, ja fast zürnend emporrichtete. – »Ersparen Sie sich und mir ein Thema, das nur für beide Teile – schmerzlich enden kann.«

»Melanie!« rief Geyerstein entsetzt, »was, um aller Heiligen willen...«

»Sie vergaßen wohl in dem Augenblick,« fuhr die Komtesse fort, und ihre Züge glichen jetzt denen einer Marmorbüste, »das Verhältnis, in dem Sie zu der Seiltänzergruppe jenes Bertrand stehen? – Sie vergaßen...«

»Großer Gott!« stöhnte der Rittmeister, und bleich, wie das ihm gegenüberstehende schöne Weib, fuhr er von seinem Sitz empor.

»Wie das Geheimnis zu meinen Ohren kam,« fuhr Melanie kalt und ruhig fort, »bleibt sich gleich, Sie selber bestätigen alles durch Ihr Schweigen. – Jetzt aber werden Sie doch auch wohl fühlen, daß zwischen uns nicht mehr von den Empfindungen des Herzens die Rede sein kann. Die Tochter des Grafen von Ralphen dünkt sich zu gut...«

»Halten Sie ein, Komtesse!« rief der Graf mit ausgestreckter Hand und fast tonloser Stimme, »sagen Sie nichts weiter! Es ist genug – übergenug – und das wenige selbst – hätte sich vielleicht auf weniger harter Weise sagen lassen – aber es ist geschehen. Sie haben nicht zu fürchten, daß ich Ihnen je wieder mit Wort oder Blick nur nahen werde – dennoch bitte ich Sie, in den Augen der Welt...«