»Hört einmal, Kamerad,« sagte der Alte zutraulich, »Ihr seid der erste vernünftige Mensch, den ich hier im ganzen Neste finde, und ich denke, ich werde öfter hier herunterkommen. Hol' die da oben der Henker! denn mein Bier will ich im Frieden trinken und mich nicht damit verstecken.«

»Verstecken? oho! halten sie Euch so knapp?« lachte Tobias.

»Knapp? – verdamm' es,« murmelte der Alte, »ich bin alt genug, mich selber zu halten, wie ich es gerade für nötig finde.«

»Na, nichts für ungut – meinte nur so,« entschuldigte sich Tobias, der mit dem »Schwiegervater«, wie der Alte, ohne daß er es wußte, in der Nachbarschaft hieß, keinen Wortwechsel haben wollte.

»Ihr seid ein Müller, wie?« fragte Mühler nach einer kleinen Pause, in der er sein Bier ausgetrunken und jetzt mit dem Deckel klappte, sich den Krug wieder füllen zu lassen. Er sah dabei den faulen Tobias von oben bis unten an.

»Gewesen,« meinte Tobias, »habe das Geschäft aber aufgegeben und es den Kindern überlassen – lebe so behaglicher. Was ist Euer Geschäft, wenn man fragen darf?«

»Meins?« wiederholte der Alte, durch die Frage doch in Verlegenheit gebracht, »hm, ich – revidiere die Rechnungen und – und besorge die Schreibereien.«

»Aber Ihr seht mir nicht aus wie ein Oekonom.«

»Nicht?« lachte jener verschmitzt vor sich hin, »bin auch mein ganzes Leben nichts weniger als das gewesen. Habe studiert, in meinen jungen Jahren versteht sich – sage Euch, habe ein verteufeltes Studium durchgemacht und könnte manchem Professor was zu raten aufgeben, aber – wenn man alt wird, versteht Ihr, macht man eben nicht mehr viel Gebrauch davon.«

»So? – studiert?« sagte Tobias, nur mit einem unbestimmten Begriff von der Bedeutung des Wortes, »des Schulmeisters Fritze hat auch studiert, ist aber nie was Rechtes aus ihm geworden. – Konnte das Sitzen nicht vertragen, wie er meinte. – Muß nicht hübsch sein, das Studieren!«