»Und was treibt Ihr nun so hier das ganze Leben durch?«

»Wir? verteufelt wenig. – So lange man jung ist und das Leben genießen könnte, hat man Plackerei und Schinderei genug – und wird man alt – ja, dann ist's eben vorbei, und man kann weiter nichts tun, als sich ausruhen – und das gönnen sie einem nicht einmal.«

»Guten Tag mitsammen,« sagte in dem Augenblick eine tiefe Stimme, und der alte Forstwart Barthold trat in die Stube.

»Guten Tag, alter Waldläufer,« lachte Tobias, während sich Mühler nach dem neu Eintretenden umschaute, »na, wo hast du wieder gesteckt?«

»Ich habe ein paar Eisen für Fischottern gelegt,« sagte der Forstwart, »nimm dich in acht, Tobias, wenn du unter dem Wehr etwa herumkriechen solltest – in der Mühle hab' ich es auch schon gesagt – du könntest sonst einmal einen von deinen alten Hinterläufen unversehens in einen Schwanenhals hinein bekommen, und die Dinger spaßen eben nicht.«

»Ich habe nichts unten am Wehr zu suchen,« sagte Tobias, »die Fischerei ist vorbei, und bei dem Wetter gehe ich außerdem nicht raus. Du wirst aber auch was Rechtes fangen. Daß du's nur nicht satt kriegst, die Eisen aufzustellen und in dem kalten Wasser herumzupatschen; es geht dir doch keine Otter hinein.«

»Kann man nicht wissen,« meinte der Forstwart, »und gearbeitet muß doch sein. So bequem wie du können wir's nicht alle haben. Herr Wirt, einen Bittern!«

»Hol's der Teufel, mir auch einen!« sagte Mühler, »mit dem kalten Bier verschwemmt man sich nur den Magen.«

»Ich habe auch nichts dagegen,« stimmte Tobias ein, »bei der Kälte draußen kann man schon was Warmes im Leibe vertragen. Ich begreife nur nicht, wie du Winter und Sommer Freude daran finden kannst, draußen im Walde herumzukriechen. Aus den Wasserstiefeln kommst du im Leben nicht heraus – ich glaube, du schläfst drin.«

»Manchmal nachmittags, ja,« lächelte der alte Mann, »aber ich will dir etwas sagen, Tobias: wem's nicht gegeben ist, der kann auch im Walde keine Freude finden, so wie du und deinesgleichen, die eben nur Büsche und Bäume drin sehen.«