Tobias schien noch immer keine rechte Lust zu haben, geselliger zu werden, wenn er auch das dargebotene Glas nicht verschmähte; mit jedem Glase aber taute er mehr auf, und während sich Mühler, in einer eigenen Art von rauher Herzlichkeit, bemühte, den alten niedergebrochenen Säufer aufzurichten, fing ihm selber der Wein an zu schmecken.
»Hol' der Henker die Kosten!« lachte er, als er die dritte Flasche bestellte, »wo das herkommt, ist mehr, und so jung treffen wir doch nicht wieder zusammen.«
»Wo das herkommt, ist mehr?« sagte Tobias, aufmerksam werdend, »der da droben« – und er deutete mit dem Daumen nach der Richtung des Gutes hinüber – »ist wohl schmählich reich?«
»Puh, reich!« rief Mühler, das große Glas bis zum Rande füllend und auf einen Zug leerend, »was heißt reich? Was man hat, kann einem die nächste Stunde gestohlen werden oder sonst abhanden kommen, aber was man kann, Kamerad, darauf kommt's an, und das, was man kann, das macht den Mann.«
»Nun, Kamerad,« lachte Tobias, der bis jetzt noch viel nüchterner als Mühler war, trotzdem daß er schon ungezählte Gläser Branntwein vorher hinabgegossen, »bis jetzt hast du uns aber noch nicht gezeigt, was du kannst...«
»Vielleicht habe ich nicht gewollt,« schmunzelte Mühler.
»Und willst du jetzt?«
»Nein,« schüttelte Mühler mit dem Kopfe, indem er einen Blick nach der am Fenster spinnenden Wirtin hinüberwarf. Der Wirt war hinausgegangen, um nach seinen Getränken zu sehen, und weitere Gäste nicht im Zimmer – »andere brauchen auch nichts davon zu wissen.«
»Na, vor der darfst du dich nicht genieren,« meinte Tobias, »wenn du sonst ein Geheimnis daraus machst, denn die ist stocktaub. Aber weißt du – wenn's – was wäre, das man zum Leben und besonders zum Trinken gebrauchen könnte, verstehst du, da wär' mir's recht, wenn ich auch etwas davon erführe. Wer weiß, wie man's einmal gebrauchen kann.«
»Du?« lachte der Alte, dem der Gedanke ungemeinen Spaß machte, sich den »faulen Tobias« als »Künstler« vorzustellen, »hahaha, das ist kostbar – du, mit den lahmen Knochen, du wärst ein Kapitalexemplar für irgend eine Gesellschaft!«