»Kann's nicht ändern,« bestätigte Mühler, »das Leben hier führ' ein anderer – mein Junge ist schon voraus.«

»Und die da drüben auf dem Gute?«

»Mögen's halten, wie sie wollen,« sagte Mühler gleichgültig, »ich kann mir mein Brot verdienen, ohne die da, und lustigeres Brot, wie sie mir bieten können. Wenn mit dir nur etwas anzufangen wäre, nähm' ich dich mit, Tobi, aber – es geht nicht, du bist zu steif in den Knochen – meine müssen freilich auch erst wieder gelenkig werden, denn das lange Stillhocken ist ihnen schwerlich dienlich gewesen.«

Tobias antwortete ihm nicht, andere Gedanken gingen ihm im Kopf herum, und Mühler tat einen langen Zug aus seinem Glase. Dabei fiel aber sein Blick auf die Wanduhr, und sich aufraffend, sagte er: »Donnerwetter, es wird spät, ich muß fort.«

»Heute noch?«

»Gleich.«

»So warte wenigstens, bis der Wirt wiederkommt.«

»Wozu?« lachte Mühler, »die paar Flaschen kann er mir zum Andenken aufschreiben, bis ich zurückkehre. Wirte vergessen einen so leicht, wenn man ihnen nicht ein kleines Andenken da läßt.«

»Das geschieht dem Lump recht,« lachte Tobias, »sonst aber,« setzte er, von einem plötzlichen Gedanken ergriffen, hinzu, »hätt'st du mir es vielleicht da lassen können, und ich hätt's ihm gegeben, wenn er wiederkam.«

»Wolltest du wirklich?« fragte Mühler und ein eigener, drolliger Zug zuckte ihm um die Mundwinkel. Wie sein Blick aber auf die Jammergestalt des vor ihm stehenden, zusammengebrochenen alten Säufers fiel, regte sich auch etwas wie Mitleiden in seinem Herzen. Leichtsinnige Menschen sind gewöhnlich gutmütig, und in einem eigenen Anfall von Großmut sagte er: »Na, meinetwegen, Tobias – ich will dir das Geld da lassen, gib es dem Wirt, wenn er kommt. Drei, vier Flaschen hatten wir ja wohl, die Flasche kostete 18 Schillinge, macht zusammen 1 Taler 24 Schillinge, da – da hast du's und – vergiß es nicht etwa...«