»Fräulein von Zahbern läßt fragen, ob es der gnädigen Komtesse genehm wäre,« meldete in dem Augenblick die Kammerjungfer durch die halbgeöffnete Tür.
»Lieber Himmel,« sagte Melanie erschreckt, »gerade heute!« aber es blieb ihr nicht einmal Zeit, den Satz zu vollenden, denn Fräulein von Zahbern hüpfte auf Melanie zu, und sie umarmend und küssend, sagte sie lachend: »Ich konnte mir die Freude nicht versagen, unserer kleinen Rosalie zu ihrem Geburtstage zu gratulieren – und wo steckt denn der kleine, liebe, wilde Engel?«
»Rosalie, liebe Franziska, ist eben zu ihrer Mutter gegangen; sie wird aber jedenfalls bald zurückkehren. Bitte, nimm so lange Platz.«
»Du siehst auch heute wieder angegriffen aus,« sagte Fräulein von Zahbern, indem sie der Gouvernante, ohne diese selbst nur eines Grußes zu würdigen, Mantel und Muff überließ, den Hut dann auf einen nahen Stuhl legte und sich die Locken vor dem Spiegel ordnete, »fehlt dir etwas, mein Herz?«
»Etwas Migräne, mein altes Leiden, vielleicht auch nur eine Erkältung, die ich mir gestern abend beim Nachhausegehen zugezogen.«
»Ach ja. Ihr hattet ja euer Kränzchen bei Schodens gestern. Nun, was macht unsere überschwengliche Euphrosyne? schmachtet sie noch? – Ich begreife wahrhaftig nicht, wie sie bei dem Vater auf diese Weise hat ausarten können. Sie webt und lebt und schwebt immer in einer höheren Welt, und kommt mit uns anderen armen Sterblichen eigentlich nur bei Kaffeegesellschaften zusammen – hahaha!«
»Euphrosyne,« sagte Melanie gutmütig, »ist ein sehr liebes, braves Mädchen, und wenn sie kleine Eigenheiten hat, dürfen wir die recht gern, ihrer anderen vortrefflichen Eigenschaften wegen, übersehen oder müssen sie doch wenigstens milde beurteilen. Sie spricht zum Beispiel nie ein böses oder gehässiges Wort über einen andern hinter dessen Rücken, und das ist doch gewiß schon viel wert.«
»Weil sie unsere Schwächen nicht sieht,« lachte Fräulein von Zahbern, »ihr Auge hängt ja immer an den Wolken und ihren Idealen. Bei Zühbigs hat sie neulich geschwärmt, daß mir Amelie versicherte, es sei gar nicht mehr zum Aushalten gewesen. – Apropos, Zühbig, der Intendant, ist gestern von seiner nordischen Reise, wie er es nennt, zurückgekehrt und hat eine ganze Tasche voll Neuigkeiten mitgebracht.«
»Das läßt sich denken,« lächelte Melanie, »und er ist jetzt gewiß recht in seinem Element.«
»Er hat auch eine Entdeckung gemacht.«