»Nun ja, die Sache war aber auch eigentlich ein bißchen anders. Karl ist auf das Pferd hinauf voltigiert, was ihm Georg streng verboten hatte. Dafür hat er ihm eins mit der Reitpeitsche aufgezählt, das war alles.«
»Alles? – aber ich bin kein Kind mehr und – kein Pferd,« rief Karl, nur noch mehr in seinem Trotze beharrend, da er Georginen auf seiner Seite fand.
»Aber du hattest unrecht,« sagte der Alte, »du weißt, du sollst keine Kunststücke mehr machen.«
»Und wer will es mir wehren?« rief der Knabe, »wenn mich der Mann als Kind Kunststücke machen ließ und mich besonders dazu anlernte, hat er kein Recht, es mir jetzt, da es ihm nicht mehr paßt, zu verwehren. Ich brauche ihn gar nicht, ich kann ohne ihn leben, und das verdammte Lernen habe ich ohnedies satt. Ich bringe nichts in den Kopf, und in der Schule lachen mich die kleinen Jungen aus, weil ich noch zwischen ihnen sitzen muß. Das tue ich auch nicht länger; ich laufe fort.«
»Du bist ein Esel!« sagte der Alte trocken, »wo willst du hin, he?«
»Ueberall hin, ich komme durch,« trotzte aber der Bursche. »Hol's der Böse, so ein Leben hier fortzuführen, halte ich doch nicht aus, und da war's in der freien Reitbahn zehntausend-, millionenmal besser. Ich komme durch.«
»Warte, bis ich mitlaufe,« brummte der Alte, »dann kannst du mit; jetzt aber geh zu deinem Herrn Doktor und lerne deine Geschichten, was du zu lernen hast; das ist gescheiter. Marsch auf mein Zimmer, ich komme selbst gleich nach – da kommt auch schon die Französin wieder. – Nun haltet das Maul, wenn ihr gescheit seid, und macht keinen Skandal aus der Sache, daß er nicht noch einmal böse darüber wird. Komm, Karl, heut abend lassen wir den Hanswurst wieder tanzen, wenn du brav bist.« Und mit diesen Worten den Knaben bei der Hand ergreifend, zog er ihn mit sich aus der Tür.
15.
Mühler ging mit dem Knaben den Gang hinunter, seiner eigenen Stube zu, als ihnen Georg begegnete. Der Alte wäre ihm gern ausgewichen, aber es war nicht mehr möglich.
»Mühler,« sagte Georg ruhig, »ich habe ein paar Worte mit Euch zu sprechen. Karl, geh auf dein Zimmer – ich hoffe, die heutige Lektion wird dir ins Gedächtnis zurückgerufen haben, meinen Befehlen künftig genauer nachzukommen. Geh nur jetzt – wir brauchen dich hier nicht« – und er winkte dabei dem Knaben so gebieterisch zu, daß dieser, wenn auch verdrossen, doch scheu dem Befehle Folge leistete. Er wußte recht gut, daß er gehorchen mußte.