»Bitte, treten Sie nur hier ein, Herr Baron; die gnädige Frau erwarten Sie schon.«
»Danke, liebe Frau,« sagte der Fremde, »ich finde mich jetzt schon zurecht.« Und er klopfte leise an die Tür.
»Herein!«
Die Tür öffnete sich, eine elegant gekleidete, sehr schmächtige Gestalt, die den Paletot schon draußen abgelegt hatte, glitt herein und schloß sie augenblicklich wieder, und die feine, schwächliche Stimme des zierlichen Männchens sagte: »So habe ich mich nicht geirrt – Glück ist heute meinen Augen widerfahren, denn sie dürfen die holde Georgine, die Königin der Amazonen, wieder schauen. Gnädige Frau, ich lege mich nicht nur in der leeren Phrase Ihnen zu Füßen« – und den Worten die Tat folgen lassend, hüpfte er auf Georgine zu, ergriff ihre Hand, die er an das zierliche Schnurrbärtchen drückte, und ließ sich vor ihr auf ein Knie nieder.
»Herr von Silberglanz!« sagte Georgine, die ihn jedoch mit der noch immer gehaltenen Hand emporhob, »das ist in der Tat eine Ueberraschung – aber bitte – Sie vergessen, daß wir hier nicht in der Residenz, sondern auf dem Lande sind, und Sie es außerdem nicht mit der holden Georgine, sondern mit der Pachtersfrau, Baronin von Geyfeln, zu tun haben. Ich bedaure übrigens, daß Sie meinen Mann nicht zu Hause treffen, dem doch jedenfalls Ihr Besuch gilt.«
»Soll ich aufrichtig gegen Sie sein, schöne Frau,« sagte Herr von Silberglanz, indem er aufstand, sich sein rechtes Knie mit dem Hute abwischte und den angebotenen Stuhl neben Georginen einnahm, ohne jedoch ihre noch immer gefaßte Hand loszulassen, »wollen Sie mein ganzes Herz offen, ohne ein Fünkchen Falschheit vor sich ausgelegt haben?«
»Ich bin kein Anatom, bester Baron,« sagte Georgine, ihm ihre Hand langsam entziehend, »und doch wäre es vielleicht von Interesse,« setzte sie lächelnd hinzu, »einmal das Herz eines so vollständig zivilisierten Herrn genau studieren zu können, wenn man nur eben auch wüßte, daß man nicht angeführt würde.«
»Göttliche Frau...«
»Ich bitte Sie ernstlich, keine dieser überschwenglichen Anreden mehr, wenn Sie wollen, daß ich Ihnen länger zuhören soll. Sie wissen, daß ich jetzt in anderen Verhältnissen lebe – also, was wünschten Sie mir zu sagen?«
»Teuerste – gnädige Frau,« sagte Herr von Silberglanz bestürzt, »Sie werfen mich nicht allein aus der siebenten Etage aller meiner Himmel, nein, von einem ordentlichen Turme hinunter. Ich kam mit so fröhlichem Herzen...«