»Was wollen Sie?«

»Ein fremder Herr ist da,« lautete die Antwort, »der erst nach dem Herrn Baron gefragt hat und dann die Frau Baronin zu sprechen wünschte. Er hat mir seine Karte gegeben, und ich habe ihn so lange in das Besuchszimmer geführt, aber es ist dort nicht eingeheizt.«

Georgine ging zur Tür, schob den Riegel zurück und nahm die Karte, die sie leise las: »Baron Hugo von Silberglanz?«

»In des Herrn Barons Zimmer ist es noch warm,« fuhr dabei die Wirtschafterin fort, »aber da hinein durfte ich ihn ja doch nicht bringen, denn da liegen immer so viele Papiere herum, und der Herr Baron hat's auch nicht gern.«

»Nein – versteht sich,« sagte Georgine, die Karte noch immer kopfschüttelnd in der Hand, »schicken Sie mir doch das Mädchen, daß es hier ein wenig aufräumt, und gehen Sie dann zu dem fremden Herrn hinüber und bitten ihn, ein wenig zu verziehen – nachher bringen – Sie ihn hier in mein Zimmer.«

»Soll gleich besorgt werden, gnädige Frau,« sagte die Wirtschafterin, indem sie geschäftig nach ihrem Schlüsselbund griff, »und doch wohl ein bißchen Frühstück besorgen, wenn es ein alter Bekannter ist?«

»Frühstück? – ich weiß es nicht – warten Sie damit, bis ich klingeln und danach verlangen werde – ich kenne den Herrn gar nicht.«

Die Wirtschafterin ging, und Georgine blieb in einem eigenen Zustande von Zweifel und Staunen zurück.

»Baron Silberglanz?« sagte sie leise, »ist das nicht derselbe fade Mensch, der mich in *** mit seinem zudringlichen Wesen verfolgte, und was hätte den hierher zu uns geführt? Soviel ich weiß, kennt ihn Georg gar nicht – und sollte er mich suchen? aber woher wüßte er, daß ich hier bin? – Ha, vielleicht ist er ein Bekannter des Grafen Geyerstein und bringt Aufträge oder Briefe von ihm. – Geyerstein,« sagte sie, sich auf ihr Sofa werfend und den Kopf in die Hand stützend, »dieser rätselhafte Mensch – ernst und kalt in seinem ganzen Aeußern, und doch so herzlich gegen Georg. Und sollten die beiden wirklich – doch welchen Grund könnten sie haben, es mir zu verheimlichen – mir, der Frau des einen – aber in welcher Verbindung stehen sie dann zusammen?«

Das Hausmädchen kam herein, räumte die Stube auf und verließ das Zimmer wieder, während Georgine ihren Gedanken nachhing, bis sie durch Stimmen auf dem Gange zu sich selber gebracht wurde. Es war der Fremde, den ihr die Haushälterin zuführte.