»Welcher beider junger Grafen?« sagte Georgine, die damit das Gespräch abzubrechen wünschte.
»Der jungen Grafen Geyerstein.«
»Der beiden jungen Grafen? hat Geyerstein noch einen Bruder?« fragte Georgine in dem Interesse, das sie plötzlich an der Sache nahm.
»Allerdings,« erwiderte der alte Mann, »einen jüngeren Bruder, und die beiden jungen gnädigen Herren waren als Kinder hier. Der jüngste von ihnen aber...«
»Wie hieß der?«
»Georg.«
»Georg?«
»Ja, gnädige Frau – der jüngste von ihnen kam aber nie wieder zurück – er soll draußen in der Fremde gestorben sein,« setzte er mit einem schmerzlichen Seufzer hinzu, »und das Kind da, wie es mich so lieb und mitleidig ansieht, gemahnt mich immer, als ob ich den jungen lieben gnädigen Herrn wieder vor mir sähe. Es ist freilich eine lange Zeit her, und ich bin alt – recht alt seither geworden. – Aber ich schwatze hier und schwatze, wo ich den Befehl Ew. Gnaden ausführen sollte. Gott schütze das liebe, kleine Haupt und streue ihm nur Blumen auf den Weg, gebe ihm Gesundheit, ein langes Leben und ein glückliches Alter mit seinem besten Segen!« Und eine tiefe Verbeugung machend, trat der alte Mann von dem Schlitten zurück, nahm dann seinen Ranzen wieder auf, sowie sein Gewehr und schritt langsam der Richtung nach dem Gute zu.
»Sein Bruder!« flüsterte Georgine leise und erschreckt vor sich hin, »sein Bruder – und das mir ein Geheimnis, mir, der Gattin – hätte ich das ahnen können – und wenn ich nun – zu spät!« stöhnte sie dann, ihr umherschweifender Blick fiel in dem Moment auf die Gestalt des Herrn von Silberglanz, der, unter seiner Pelzlast keuchend, im Schnee herangewatet kam. Er schaute aber nicht nach ihr hin, sondern den Weg zurück, und als sie den Kopf dahin wandte, bemerkte sie noch den alten Forstwart, der den Fremden gesehen hatte und jedenfalls abwarten wollte, was er hier suche, solange die gnädige Frau noch da hielt.
»Meine beste gnädige Frau!« rief das zierliche, im Schnee watende Männchen endlich, als er näher kam, »ich muß unendlich bedauern, wenn Sie auch nur eine Sekunde auf mich gewartet haben, aber der Schnee war« – sein Blick fiel auf Josefine, und er blieb mitten in seiner Rede stecken – »Ihre – Ihre Fräulein Tochter?«