»Dann bitten Sie das Fräulein, mir alles, was etwa für mich angekommen wäre – und auch meinen Schlüssel mit herüber zu bringen.«

»Jawohl, Herr Baron. – Ist der Tee etwa nicht heiß genug?«

»O, vortrefflich – ich bin nur abgespannt heut abend und kann nicht viel genießen – ich werde mich ein wenig auf das Sofa legen.«

Die Wirtschafterin hatte Takt genug, dies als ein Zeichen zu nehmen, daß sie sich entfernen könne, und sie verließ das Zimmer, in dem Georg allein mit seinen Gedanken, und vor Ungeduld sich bald verzehrend, zurückblieb. – Und die Gouvernante kam noch immer nicht – aber sie hatte das Kind zu besorgen und eine volle Stunde mochte vergangen sein, ehe er ihren Schritt hörte. Gleich darauf trat sie ein und legte einige Briefe und Zeitungen auf den Tisch. Georg war aufgestanden und ging ihr entgegen.

»Mademoiselle,« sagte er, die Hand nach ihr ausstreckend, »nehmen Sie vor allen Dingen meinen herzlichsten Dank für die zarte Weise, in der Sie in dieser Sache gehandelt haben, und nun, bitte, setzen Sie sich und erzählen mir mit kurzen Worten, was Sie wissen.«

Während die Gouvernante der Einladung folgte, blieb Georg erwartungsvoll am Tische stehen.

»Ich habe nur meine Schuldigkeit getan,« sagte das junge Mädchen, leicht dabei errötend, »werde Ihnen selber, Herr Baron, aber wenig Auskunft geben können – ich durfte nicht nachforschen, denn ohne etwas damit gutmachen zu können, hätte ich die Aufmerksamkeit der Leute nur unnötigerweise und vor der Zeit darauf gelenkt.«

»Sie hatten recht, vollkommen recht.«

»Der erste Verdacht stieg in mir auf, als ich eine bedeutende Lücke in der Kinderwäsche bemerkte, nachdem die gnädige Frau mit Josefinen eine angebliche Spazierfahrt unternommen hatte. Auch eine Anzahl ihrer Kleider fehlte – dann fand ich den Brief in Ihrer Stube – denn Angst und Ungewißheit ließen mich danach suchen, und ich nahm ihn an mich.«

»Ich bin Ihnen dankbar dafür – aber wer glauben Sie, der mir weitere Auskunft geben könnte – oder haben Sie selber einen Verdacht? Es war ein Fremder hier. – Wie sah er aus?«