»Mein Herr – ich gebe Ihnen mein Wort...«

»Halt! – Sie sind Kavalier,« unterbrach ihn Georg rasch, »bedenken Sie, was Sie sprechen, und verpfänden Sie Ihr Wort nicht an eine – Lüge.«

»Herr Baron...«

»Davon mehr nachher,« erwiderte Georg kalt. »Jetzt verlange ich Antwort – aufrichtige, unumwundene Antwort: Wo haben Sie mein Weib gelassen? – Wo befindet sie sich jetzt und – was war Ihre weitere Absicht mit ihr? – Glauben Sie dabei nicht, mich durch leere Ausflüchte, durch irgend ein Märchen zu täuschen. Ich will die Wahrheit von Ihnen, und wenn ich – doch genug,« brach er, sich gewaltsam fassend, in seiner Drohung kurz ab, »wir stehen hier nicht allein auf deutschem Boden, sondern Sie sind auch gezwungen, mir Genugtuung zu geben, und daß ich mir diese verschaffen werde, darauf gebe ich Ihnen mein Wort. Also beantworten Sie mir einfach und ehrlich meine Frage. Sie können Ihre Sache dadurch nicht verschlimmern, sondern nur verbessern. Wo ist Georgine und ihr Kind jetzt – in wessen Schutze?«

»Herr Baron,« sagte von Silberglanz, in dem Gedanken an ein Duell mit wirklich geladenen Pistolen innerlich erbebend, indem er zugleich einsah, daß alles weitere Leugnen fruchtlos sei, »ich – sehe vollkommen ein, daß Ihr Zorn gerechtfertigt ist – ich gestehe, daß ich gefehlt habe, und werde...«

»Davon später – bitte, kommen Sie zur Sache,« unterbrach ihn Georg kurz. »Wo wohnt Georgine – wo – wohnen Sie?«

»Lassen Sie mich ausreden,« bat von Silberglanz, der sich überdies zwingen mußte, seine Gedanken zusammen zu halten. »Sie haben das Recht, eine Erklärung zu fordern, und so weit, als ich sie Ihnen leisten kann, soll sie Ihnen werden. Für alles übrige muß ich Sie aber in der Tat bitten, sich an – Ihre Frau Gemahlin und – Herrn Royazet zu halten.«

»Royazet?« sagte Georg schnell, »so haben Sie für ihn...«

»Bitte, mißverstehen Sie mich nicht,« erwiderte von Silberglanz, schon bedeutend beruhigt, als ihm Georg weit kaltblütiger zu sein schien, als er ihn gefürchtet haben mochte. »Wollen Sie mich die ganze Sache einfach erzählen lassen, wie sie ist? Vielleicht finden Sie auch dann, daß ich weit weniger schuldig bin, als Sie jetzt zu glauben scheinen.«

»Reden Sie,« sagte Georg ruhig, »aber hoffen Sie nicht, mich zu täuschen.«